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Pandemie Mediziner und Handelsverband rufen Bevölkerung zu mehr Disziplin auf / Kostenlose Tests für Urlauber

Angst vor hohen Corona-Zahlen

Mannheim/Stuttgart/Berlin.Hohe tägliche Corona-Fallzahlen rufen Sorge unter Gesundheitsexperten, in der Wirtschaft sowie in der Bevölkerung hervor. Das Robert Koch-Institut (RKI) etwa befürchtet wegen Nachlässigkeit bei den Verhaltensregeln eine zweite Corona-Welle in Deutschland. Davon geht nach dem neuesten Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen auch die Mehrheit der Deutschen aus.

Nach RKI-Angaben vom Freitag meldeten die Gesundheitsämter zuletzt insgesamt 870 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Am Donnerstag hatte die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Deutschland mit 902 den Höchststand für Juli markiert. Bis Mitte Juli hatte die Zahl wochenlang meist bei unter 500 gelegen. Um die Lage wieder in den Griff zu bekommen, gilt etwa bereits ab diesem Samstag für alle Urlauber, die aus dem Ausland zurückkehren: Jeder kann sich kostenfrei testen lassen, ob er Krankheitssymptome zeigt oder nicht. Die Tests können innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise gemacht werden – zum Beispiel an Teststationen an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Praxen.

Teststellen soll man zudem unter der ärztlichen Servicenummer 116 117 erfragen können. Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Als Reiserückkehrer ausweisen kann man sich zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen, erläuterte das Gesundheitsministerium.

Kliniken gut vorbereitet

Laut Politbarometer gehen mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) von einer zweiten Infektionswelle aus. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) vertritt zudem die Ansicht, dass sich die Menschen in der Corona-Krise „eher unvernünftig“ verhalten. „Die Sorge wird wieder größer“, sagte Andrea Wolf von der Forschungsgruppe dieser Redaktion. Auch die Angst um die eigene Gesundheit steigt. Während bei der letzten Umfrage noch 40 Prozent eine Gefahr für sich selbst sahen, ist es nun die Hälfte.

Die Krankenhäuser der Region haben sich unterdessen für eine mögliche zweite Welle gerüstet. So entwickelten die Mannheimer Krankenhäuser Stufenpläne für eine mögliche Zunahme von Corona-Fallzahlen entwickelt. Dieser stellt sicher, dass genügend Isolierbetten zur Verfügung stehen.

Die Testmöglichkeiten auf das neue Corona-Virus wurden stark hochgefahren. „Wir sind umfassend vorbereitet“, betonte auch Günter Layer, Ärztlicher Direktor des Ludwigshafener Klinikums. Ingo Autenrieth, der Vorstandsvorsitzende des Heidelberger Uniklinikums, betonte: „Wir haben es ein Stück weit selbst in der Hand“ und appellierte, die allgemeinen Hygiene-Regeln zu beachten.

Die Wirtschaft betrachtet die aktuelle Entwicklung ebenfalls mit großer Sorge. Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, um eine zweite Welle zu vermeiden, sagte Achim Wambach vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim dieser Redaktion.

Existenzen in Gefahr

Der Präsident des Handelsverbandes Deutschland, Josef Sanktjohanser, forderte mehr Disziplin. „Es erfüllt mich mit großer Unruhe, dass es viele offenbar nicht mehr so genau mit der Einhaltung der Regeln nehmen und die Zahl der Infizierten wieder steigt.“

Die Corona-Krise werde den Handelsunternehmen abseits des Lebensmittelhandels voraussichtlich Umsatzeinbußen von 40 Milliarden Euro bescheren, fürchtet der HDE. Dies könne 50 000 Handelsstandorte in Deutschland die Existenz kosten, sagte Sanktjohanser. „Für viele Händler gäbe es bei erneuten Einschränkungen oder gar einer zweiten Phase des Lockdowns keine Chance mehr, der Insolvenz zu entgehen.“ (mit dpa)

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