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Pandemie Wirtschaft und Handel rufen Bevölkerung zu mehr Disziplin auf / Kostenlose Tests für Urlauber

Angst vor hohen Corona-Zahlen

Mannheim/Stuttgart/Berlin.Hohe Corona-Fallzahlen rufen Sorge unter Gesundheitsexperten, in der Wirtschaft sowie in der Bevölkerung hervor. Das Robert Koch-Institut (RKI) befürchtet wegen Nachlässigkeit bei den Verhaltensregeln eine zweite Corona-Welle in Deutschland. Davon geht nach dem neuesten Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen auch die Mehrheit der Deutschen aus.

Nach RKI-Angaben vom Freitag meldeten die Gesundheitsämter zuletzt insgesamt 870 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Am Donnerstag hatte die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Deutschland mit 902 den Höchststand für Juli markiert. Bis Mitte Juli hatte die Zahl wochenlang meist bei unter 500 gelegen. Laut Politbarometer gehen mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) von einer zweiten Infektionswelle aus. Gut die Hälfte (51 Prozent) vertritt zudem die Ansicht, dass sich die Menschen in der Corona-Krise „eher unvernünftig“ verhalten.

Kliniken sind gewappnet

Die Krankenhäuser der Region sehen sich für eine mögliche zweite Welle gerüstet. So entwickelten die Mannheimer Krankenhäuser Stufenpläne für eine mögliche Zunahme von Corona-Fallzahlen. Diese stellen sicher, dass genügend Isolierbetten zur Verfügung stehen.

Die Testmöglichkeiten auf das neue Coronavirus wurden stark hochgefahren. „Wir sind umfassend vorbereitet“, betonte auch Günter Layer, Ärztlicher Direktor des Ludwigshafener Klinikums. Ingo Autenrieth, der Vorstandsvorsitzende des Heidelberger Uniklinikums, sagte: „Wir haben es ein Stück weit selbst in der Hand“ und appellierte, die allgemeinen Hygiene-Regeln zu beachten. Die Wirtschaft betrachtet die aktuelle Entwicklung ebenfalls mit großer Sorge. Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, um eine zweite Welle zu vermeiden, sagte Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Eine neue, schnelle Art der Vor-Ort-Testung auf das Virus in Baden-Württemberg macht der Test-Truck CoVLAB möglich. Vor der Mannheimer Justizvollzugsanstalt ist das Projekt mit ersten Testungen von Mitarbeitern an den Start gegangen. Mit 1,3 Millionen Euro hat die Baden-Württemberg Stiftung das Projekt innerhalb von zwölf Wochen realisiert. Das Labor und die wissenschaftliche Auswertung übernimmt die Universitätsmedizin Mannheim. Ziel des in Deutschland einzigartigen mobilen Labors ist es, direkt an möglichen Brennpunkten zeitnah viele Personen durchzutesten. Zuerst werden nun alle Justizvollzugsanstalten des Landes angefahren, um allen Mitarbeitern kostenlos einen Abstrich zu ermöglichen.

Unterdessen hat das Land Baden-Württemberg geregelt, dass wenn Landesbeamte Urlaub in einem Corona-Risikogebiet machen, sie für die anschließende zweiwöchige Quarantäne entweder Heimarbeit machen oder Urlaub nehmen müssen. „Wer bewusst in solche Gebiete reist, muss nach seiner Rückkehr etwaige Nachteile tragen“, erklärte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Freitag.

Ist der Jahresurlaub bereits verbraucht, schreiben die Richtlinien des Ministeriums den Bediensteten Urlaub ohne Bezahlung vor. Mit einem aktuellen negativen Corona-Test können die Mitarbeiter sich von den Quarantäne-Vorschriften befreien lassen . (mit dpa)

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