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Pandemie Mehrere Millionen Zugriffsversuche in Hessen innerhalb kurzer Zeit / Kreis Bergstraße meldet 95 neue bestätigte Corona-Fälle

Ansturm auf Impftermine legt Buchungsmöglichkeiten lahm

Archivartikel

Wiesbaden/Bergstraße/Berlin.Der Ansturm auf einen Corona-Impftermin für Menschen über 80 Jahre hat die Buchungssysteme in Hessen lahmgelegt. Innerhalb kürzester Zeit habe es mehrere Millionen Zugriffsversuche gegeben, teilte das Innenministerium am Dienstag in Wiesbaden mit. Dadurch sei die Kapazitätsgrenze erreicht worden.

Um eine dauerhafte Blockade des Online-Anmeldeverfahrens zu verhindern, musste das System dem Ministerium zufolge zwischenzeitlich heruntergefahren werden. Das habe sich auch auf die Buchungsmöglichkeiten in den Call-Centern ausgewirkt. Seit dem Nachmittag sei es aber wieder möglich gewesen, über die Telefonnummern 116 117 sowie +49 611 505 92 888 Termine zu buchen.

Der beauftragte IT-Dienstleister arbeite mit Hochdruck daran, auch die Webseite für das Online-Anmeldeverfahren (impfterminservice.de) wieder an den Start zu bringen, teilte das Ministerium mit. Wegen des sehr großen Interesses könne es aber zu weiteren Störungen kommen.

In den kommenden Wochen stehen in Hessen nach Angaben von Innenminister Peter Beuth (CDU) mehrere Zehntausend Termine für eine Corona-Schutzimpfung zur Verfügung. „Wir kommen auf knapp 60 000 Termine, die wir ausgeben können“, sagte der Minister dem Sender Hit Radio FFH in Bad Vilbel. Das sei weit unter den Kapazitätsgrenzen. „Man muss sehen: Der Impfstoff ist im Grunde genommen der für uns limitierende Faktor zurzeit.“

Im Kreis Bergstraße mussten am Dienstag fünf weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Corona gemeldet werden, darunter zwei 86 bzw. 82 Jahre alte Personen in Bensheim. Außerdem wurden 95 neue bestätigte Fälle registriert, u. a. in Bensheim (22), Einhausen (2), Heppenheim (16), Lorsch (3) und Zwingenberg (1). Aktuell betroffen ist auch eine Pflegeeinrichtung in Bensheim. Der offizielle Inzidenzwert für den Kreis liegt jetzt bei 186,26.

Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) sind im Kreis Bergstraße von 41 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken derzeit 33 Betten belegt – davon sieben mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; drei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

Hessenweit sind am Dienstag nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts 503 weitere Coronavirus-Infektionen registriert worden. Die Gesamtzahl der Fälle stieg damit auf 151 293 (Stand: 0 Uhr). 3588 Todesfälle in Hessen werden mit dem Erreger in Verbindung gebracht, das sind 75 mehr als am Vortag.

Hessen stellt zunächst für Januar 12 Millionen Euro für die Rückzahlung von Kita-Beiträgen bereit, wenn Kinder wegen Corona zuhause betreut werden. Das teilten Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Grüne) in Wiesbaden mit. Wenn ein Kind nicht in die Kita gehe, dürfe auch kein Beitrag erhoben werden.

Worms führt 15-Kilometer-Regel ein

Die Stadt Worms führt wegen der hohen Zahl von Corona-Infektionen eine 15-Kilometer-Regel ein. Die Kommune schränke damit den Bewegungsradius ihrer Bürger für touristische Zwecke ein, teilte Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) am Dienstag mit. Die Stadt habe ursprünglich darauf verzichten wollen, doch das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium bestehe auf der Regelung. Zudem gilt in Worms nun auch wieder eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone. Diese Bestimmung war am 20. Dezember ausgelaufen.

Die 15-Kilometer-Regel ziele ausschließlich auf die Vermeidung des Tagestourismus, betonte die Stadtverwaltung. Nun darf man sich für Ausflüge nicht weiter als 15 Kilometer vom Stadtgebiet wegbewegen. Ebenso dürften Tagestouristen nicht nach Worms kommen, sofern sie weiter als 15 Kilometer entfernt wohnen. „Wir bedauern es sehr, die Allgemeinverfügung nun doch noch restriktiver gestalten zu müssen“, sagte Kessel. Aufgrund der weiterhin steigenden Corona-Zahlen seien der Stadt jedoch die Hände gebunden.

Die Maßnahmen, zu denen auch eine nächtliche Ausgangsbeschränkung zählt, gelten vorerst bis 31. Januar. In Worms gab es am Dienstag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 326,8. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Wert für Rheinland-Pfalz (132,3).

FFP2-Masken-Pflicht in Bayern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat eine Debatte über eine Impfpflicht für Pflegepersonal in Heimen angestoßen – und viel Kritik geerntet. Der Koalitionspartner SPD widersprach ihm ebenso wie die Opposition, Patientenschützer und Gewerkschaften. „Die Impfung muss freiwillig sein; eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen darf es nicht geben“, sagte Verdi-Chef Frank Werneke. In Bayern gilt ab kommendem Montag zudem eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll unterdessen in einer unionsinternen Sitzung vor einer Ausbreitung der Coronavirus-Mutationen gewarnt haben. Das erfuhr unter anderem die ARD von Teilnehmern. „Deutschland steht vor acht bis zehn sehr harten Wochen“, sagte Merkel demnach. Die Südafrika-Variante B.1.351 des Virus wurde am Dienstag in Deutschland erstmals bei einer Person aus dem Zollernalbkreis nachgewiesen. Sie sei mit Familie von einem Aufenthalt in Südafrika zurückgekehrt. hol/red/eb/dpa

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