Thema des Tages

Down-Syndrom Bundestag diskutiert, ob Kassen Test vor Geburt übernehmen sollen

Blutanalyse entfacht schwierige Debatte

Berlin/Mannheim.Im Bundestag gibt es breite Unterstützung dafür, dass die Krankenkassen künftig auch Bluttests auf ein Down-Syndrom des Kindes vor der Geburt bezahlen – aber begrenzt auf Risiko-Schwangerschaften. In einer Debatte sprachen sich zahlreiche Abgeordnete gestern fraktionsübergreifend dafür aus, diese risikoärmere Methode ebenso zu finanzieren wie sonst übliche Fruchtwasseruntersuchungen.

Auch der Mannheimer Experte für Medizinethik Jochen Taupitz empfahl eine Übernahme der Blutuntersuchung durch Krankenkassen: „Ich halte das für unverzichtbar, und zwar aus Gerechtigkeitsgründen“, sagte der Jurist, der viele Jahre Mitglied im Deutschen Ethikrat war, dieser Zeitung. Der Test sei in Deutschland bereits zugelassen, stehe aber nur Frauen zur Verfügung, die ihn sich finanziell leisten könnten. Kassen sollten die Kosten allerdings nur bei Risikoschwangerschaften übernehmen, betonte auch Taupitz.

Sorge wegen Druck auf Eltern

Mehrere Parlamentarier warnten im Bundestag dagegen vor Druck auf Eltern, der auch zu mehr Abtreibungen führen würde. Übereinstimmend mahnten Redner eine bessere Beratung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen an. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach betonte, Bluttests seien sicherer und medizinisch besser als bisherige Verfahren, die bereits Kassenleistung sind. Insofern sei es ethisch nicht zu rechtfertigen, Frauen bessere Tests vorzuenthalten. Die behindertenpolitische Expertin der Grünen, Corinna Rüffer, wandte sich gegen Bluttests als Kassenleistung. „Dieser Test kann nicht dazu dienen zu heilen, weil das Down-Syndrom keine Krankheit ist.“ Bisher sind die Bluttests meist selbst zu zahlen.

Bei einem Down-Syndrom haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher auch die Bezeichnung Trisomie 21. dpa/tat