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Soziales Fast 14 Prozent der unter 18-Jährigen in Deutschland leben unter Hartz-IV-Bedingungen / Mannheim über Landesdurchschnitt

Corona-Krise verschärft die Kinderarmut

Archivartikel

Gütersloh/Mannheim.Kinderarmut bleibt ein gesamtdeutsches Problem, das sich durch die Corona-Pandemie weiter verschärfen dürfte. Das zeigt eine Analyse der Bertelsmann Stiftung, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Im Bundesschnitt lebten demnach 2019 fast 14 Prozent der unter 18-Jährigen in einem Haushalt, der Hartz IV bezieht. In Mannheim war das bei fast 20, in Ludwigshafen sogar bei über 24 Prozent der Kinder der Fall. Beide Städte liegen damit weit über dem jeweiligen Landesdurchschnitt. In Baden Württemberg beträgt dieser 8,1, in Rheinland-Pfalz 11,6 und in Hessen 13,6 Prozent. Im Kreis Bergstraße leben 10,7 Prozent der Heranwachsenden unter Hartz-IV-Bedingungen. Am wenigsten ist mit 6,3 Prozent der Neckar-Odenwald-Kreis in der Region von Kinderarmut betroffen.

„Seit Jahren ist der Kampf gegen Kinderarmut eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland“, so die Bertelsmann Stiftung. Dennoch gebe es seit 2014 im bundesweiten Durchschnitt wenig Verbesserungen.

Die Prognose für die kommenden Jahre deutet darauf hin, dass sich die Situation weiter verschlechtert – auch aufgrund der Corona-Pandemie. Es sei mit einem deutlichen Armutsanstieg zu rechnen. „Hinweise sind Rückgänge bei Mini- und Teilzeitjobs, irregulärer Beschäftigung, die gerade Eltern benachteiligter Kinder häufig ausüben, vielfach alleinerziehende Mütter“, sagt Projektmitarbeiterin Sarah Menne von der Bertelsmann Stiftung. Sie seien unter den Ersten, die ihre Arbeit verlieren, die wenig oder kein Kurzarbeitergeld erhalten. Es komme jetzt auf die richtige Weichenstellung an. „Es gibt zwei Möglichkeiten: In der Corona-Krise bleibt die Bekämpfung der Kinderarmut auf Feuerlöscharbeiten beschränkt – ohne nachhaltige Verbesserungen“, sagt Menne. „Corona wirkt wie ein Brennglas, schärft den Blick auf die ungelöste Benachteiligung, und der politische Wille für strukturelle Änderungen nimmt endlich Fahrt auf.“ Coronabedingtes Homeschooling habe immerhin schon mal die schlechte Ausstattung armer Kinder verdeutlicht. Die Bundesregierung wies derweil den Vorwurf zurück, nicht genug gegen Kinderarmut zu tun. Man gehe mit ganz vielen Maßnahmen gegen Kinderarmut vor, heißt es aus dem Bundesfamilienministerium. So sei der Kinderzuschlag eine Leistung für Familien mit geringem Einkommen – der Zugang dazu sei erweitert worden, die Empfängerzahl deutlich gestiegen. (mit dpa)

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