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Dauerhafte Gefahr

Archivartikel

Am Tag des islamistischen Anschlags Ende Oktober mit drei Toten in Nizza passierte auch noch Folgendes: In Lyon wurde ein mit einem Messer bewaffneter, der Polizei bekannter Mann festgenommen; in Sartrouville bei Paris verhaftete die Polizei einen mit einem Messer bewaffneten jungen Mann, der seinem Vater von Anschlagplänen berichtet hatte; in Dschidda, Saudi-Arabien, wurde die Messerattacke auf einen Mitarbeiter des französischen Konsulats abgewehrt. Und tags darauf wurde in Lyon ein orthodoxer Priester vor seiner Kirche angeschossen – Tatmotiv ungeklärt.

Schienen sich diese Taten zunächst allein gegen Frankreich zu richten – möglicherweise als Reaktion auf den Streit um die Mohammed-Karikaturen –, ließ das Datum Ende Oktober jedoch aufhorchen: Allerheiligen, Allerseelen, christliche Feiertage. Dass kurz darauf Islamisten den Campus der Universität Kabul in Afghanistan stürmten und mindestens 22 Menschen töteten, signalisierte schließlich, dass mit diesen Attacken generell Symbole westlicher Werte und Einrichtungen weltweit ins Visier genommen wurden.

Die Angriffe erfolgten zu einer Zeit, da die Menschen in Europa mit Corona-Sorgen beschäftigt sind oder voller Spannung auf den Wahlausgang in den USA schauen. Das Gefühl für die Bedrohung durch Islamismus war in den Hintergrund getreten – der Überraschungseffekt daher groß.

Das Blutbad von Wien reiht sich in diese Kette furchtbarer Ereignisse und lässt Schlimmes befürchten. Nämlich, dass auch an den religiösen Feiertagen, die bis Jahresende noch anstehen, mit Gewalttaten vonseiten islamistischer Täter zu rechnen ist. Mit Gewalttaten, die von einzelnen aufgestachelten Personen mit all den Mitteln ausgeführt werden, die ihnen gerade so zur Verfügung stehen, seien es Messer oder Schusswaffen oder was auch immer.

Das heißt – und das ist das perfide –, dass die Sicherheitsbehörden in einer Zeit, in der sie ohnehin schon die Einhaltung der Corona-Maßnahmen besonders kontrollieren müssen, zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen sind.

Umso wichtiger und hilfreicher ist in dieser Situation, dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland den Anschlag in Wien eindeutig verurteilt und seinen Standpunkt unterstrichen hat, für die Unversehrtheit aller Menschen und für die Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung einzutreten. Denn was jetzt nicht hilft, ist Panik – wohl aber Solidarität und eine klare Haltung.

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