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Elektrofahrzeuge Bund beteiligt sich mit Milliarden an Kaufprämie und Ausbau von Ladepunkten / Experten kritisieren Subventionen

„Die deutsche Autoindustrie hat sehr gut verhandelt“

Berlin/Mannheim.Bundesregierung und Autobauer setzen auf einen Schub für Elektroautos durch neue Milliardenhilfen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach nach einem Autogipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag von einem wichtigen Signal. Die Erhöhung der Kaufprämie für E-Autos und ein schnellerer Ausbau des Ladenetzes seien zentrale Bausteine für mehr Tempo bei der Elektromobilität in Deutschland.

Für reine Elektroautos bis zu einem Nettolistenpreis von 40 000 Euro soll es künftig 6000 statt bisher 4000 Euro als Prämie geben, wie nach dem Treffen von Bund und Autobranche mitgeteilt wurde. Bei teureren E-Autos bis zu einer Grenze von 65 000 Euro sollen es künftig 5000 Euro Prämie sein.

Statt bis 2020 soll die Prämie bis 2025 ausgezahlt werden. Die Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro wollen Bund und Autobranche wie bisher je zur Hälfte übernehmen. Industrie und Regierung hatten dazu vereinbart, in den nächsten zwei Jahren zusätzlich 50 000 öffentliche Ladepunkte zu errichten. Davon übernimmt die Branche 15 000.

ZEW: Gesamtstrategie fehlt

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte dieser Zeitung mit Blick auf die geplanten staatlichen Subventionen: „Gewinner ist die deutsche Autoindustrie. Sie hat sehr gut verhandelt, immerhin beteiligt sich der Staat mit Steuergeldern zur Hälfte an der Kaufprämie und übernimmt auch noch weitgehend den Ausbau der Ladepunkte.“

Dudenhöffer geht zwar davon aus, dass die Kaufprämie einen kräftigen Schub bei den neuen Elektroautos wie bei VW bringen wird. „Wir verführen damit aber die Leute mit Geld dazu, umweltfreundlicher zu werden. Das ist doch Wahnsinn“, kritisierte er. Die Zeche müsse dafür der Steuerzahler begleichen. „Das ist aber unnötig. Wenn die CO2-Steuer so hoch wäre, dass der Sprit 20 Cent mehr kosten würde, würden die Autofahrer automatisch Fahrzeuge mit einem Elektroantrieb kaufen“, sagte Dudenhöffer.

Der Autoexperte kritisierte die Bundesregierung scharf, weil sie „immer nur halbe Sachen“ mache. Es gebe keinen Plan dafür, wie der Ausbau der Ladepunkte genau funktionieren solle, sondern „nur Pressemitteilungen mit schwammigen Formulierungen“.

Verkehrs- und Klimaschutzexperte Martin Kesternich vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bemängelte, dass „bei der Frage, wie wir die Mobilität der Zukunft gestalten wollen, noch immer eine Gesamtstrategie fehlt“. Eine höhere Quote für Elektroautos würde weder Staus noch den Flächenverbrauch verhindern. Deshalb könne von einem Durchbruch „keine Rede“ sein. Kesternich bemängelte auch die „hohen Kosten“ der Kaufprämien. Der Wissenschaftler empfiehlt aus ökologischer Sicht eine „technologieoffene Strategie“ im Gegensatz zur einseitigen Bevorzugung der Elektroautos. (mit dpa)

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