Thema des Tages

Wiedervereinigung Politiker warnen vor Rechtspopulismus und Fremdenhass / Zehntausende Demonstranten in München

„Die Einheit ist nicht beendet“

Archivartikel

Berlin/München.Am 28. Jahrestag der Wiedervereinigung haben Politiker die Deutschen aufgerufen, lauter ihre Stimme gegen Rechtspopulismus und Fremdenhass zu erheben. Gleichzeitig plädierten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (beide CDU) für mehr Dialog und gegenseitiges Zuhören, um Polarisierung und Gräben im Land zu überwinden.

„Auch in Deutschland begegnet uns die populistische Anmaßung, wieder das ,Volk‘ in Stellung zu bringen gegen politische Gegner, gegen vermeintliche und tatsächliche Minderheiten, gegen die vom Volk Gewählten“, sagte Schäuble bei einem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin. Niemand habe aber das Recht zu behaupten, er allein vertrete „das Volk“.

Bundesratspräsident Michael Müller sagte bei dem Festakt: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Minderheit einer neuen Rechten die Deutungshoheit über das Erreichte an sich reißt und dabei die Grundwerte unserer Gesellschaft missachtet.“

Nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist die Einheit der Deutschen in Ost und West noch lange nicht vollendet. Sie sei vielmehr „ein Prozess“ und „langer Weg.“ Wichtig sei, „einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, nicht nachzulassen“, betonte die Kanzlerin. Sie stellte fest: „Die Deutsche Einheit ist nicht beendet“, sondern fordere die Menschen bis heute immer wieder heraus.

600 000 Besucher in Berlin

In ihrer Gastrede beim Mannheimer Festakt der CDU zum Tag der Deutschen Einheit zeigte sich gestern auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer besorgt über die aktuelle Stimmung in Deutschland. „Ich glaube, wir sind das einzige Volk, das einen Feiertag begeht – und nicht feiert. Das sagt doch einiges über den aktuellen Gemütszustand der Deutschen aus“, sagte sie dieser Zeitung.

In diesem Jahr richtete Berlin die zentralen Feierlichkeiten zum Einheitstag aus. 600 000 Besucher kamen nach Angaben der Veranstalter zu einem Bürgerfest rund um Brandenburger Tor und Reichstag.

Anlässlich der Feiern demonstrierten laut Polizei mehr als 1000 Rechtsextreme und Rechtspopulisten. Es waren viele Deutschlandfahnen zu sehen, einige Teilnehmer zeigten den Hitlergruß. In München demonstrierten gestern Zehntausende gegen rechts. Die Polizei in der bayerischen Landeshauptstadt sprach von mindestens 21 000 Teilnehmern. dpa/jor