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Coronavirus Gesundheitsminister Jens Spahn appelliert an Vernunft der Bevölkerung

„Die Gefahr einer zweiten Welle ist real“

Archivartikel

Berlin.Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Menschen in Deutschland vor Leichtsinn im Umgang mit der Corona-Pandemie gewarnt. „Die Gefahr einer zweiten Welle ist real“, sagte Spahn am Montag in Berlin bei einem Auftritt mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Wachsamkeit ist für Regierung und RKI das Gebot der Stunde.

Übermut wie am Wochenende auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca dürfe es nicht geben. Spahn: „Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden.“ In Deutschland seien derzeit vor allem regionale und lokale Ausbrüche jederzeit möglich. Doch sei das Land gut gerüstet.

Deutlich mehr Tests

Mit rund 5000 bekannten Fällen aktuell aktiver Infektionen seien die Zahlen derzeit in Deutschland „auf niedrigem Niveau“, so Spahn. Weiter komme es vor allem auf das Verhalten der Menschen an.

Gleichzeitig betonte Spahn, es müsse nicht automatisch mit einer zweiten Welle im Herbst oder Winter gerechnet werden. „Die meisten wissen, dass Gruppenreisen zum Ballermann, dass Großveranstaltungen, dass Umarmen zur Begrüßung oder das Einkaufen ohne Maske momentan keine guten Ideen sind“, sagte Spahn. „Wir haben besser gelernt, mit dem Virus zu leben, und wir wissen auch mehr über dieses Virus.“ Eine zweite Welle halten laut einer Umfrage im Auftrag der Regierung 40 Prozent der Menschen in Deutschland für wahrscheinlich. 37 Prozent sehen eine 50-prozentige Chance, 21 Prozent halten sie für unwahrscheinlich. Zwei von drei Bundesbürgern haben die Sorge, sich selbst mit dem Virus zu infizieren. In der Rückschau halten rund zwei Drittel die im März von der Politik beschlossenen Anti-Corona-Maßnahmen für richtig.

Allein in der vergangenen Woche wurden laut Spahn knapp 500 000 Menschen auf das Virus getestet – 175 000 mehr als noch vor vier Wochen. Vor allem in Fällen von lokalen Ausbrüchen seien Reihentestungen sinnvoll. Laut Wieler können in Deutschland derzeit 1,1 Millionen Menschen pro Woche auf Corona getestet werden. Mehr als 15,5 Millionen Menschen haben die deutsche Corona-Warn-App heruntergeladen. In dieser Woche soll sie auf Türkisch geschaltet werden.

Weltweit sei die Zahl der Corona-Fälle innerhalb von nur fünf Tagen von elf auf mehr als zwölf Millionen gestiegen, sagte der RKI-Präsident. „Diese Pandemie ist weltweit wirklich sehr, sehr stark unterwegs“, sagte Wieler. „Wir sehen vor allen Dingen einen Anstieg aus Ländern, die trotz steigender Fallzahlen die Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen lockern beziehungsweise gelockert haben.“ Wieler nannte insbesondere Indien, Pakistan, Südafrika, Israel, die USA und einige Länder in Osteuropa. Teilweise seien Lockerungen wieder zurückgenommen worden.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft werde vom Kampf gegen die Corona-Krise geprägt sein, kündigte Spahn an. Dem diene eine informelle Tagung der EU-Gesundheitsminister an diesem Donnerstag. Europa solle zudem unabhängiger werden von der Produktion im Gesundheitsbereich etwa in China. dpa

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