Thema des Tages

Soziales Fast jeder dritte Alleinstehende in Deutschland von Armut bedroht

Einsamkeit so schädlich wie 15 Zigaretten pro Tag

Berlin.Immer mehr Menschen in Deutschland leben allein – und deutlich mehr Alleinstehende als früher sind von Armut bedroht. Alleinstehende und -erziehende sind auch besonders häufig überschuldet. Zugleich rückt Einsamkeit als gesellschaftliches Problem zunehmend in den Fokus: Denn einsame Menschen haben laut Studien ein höheres Risiko, krank zu werden und früher zu sterben.

Von Armut bedroht ist fast jeder dritte Alleinstehende in Deutschland. Nach den jüngsten Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat waren dies 2016 32,9 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren lediglich 21,5 Prozent aller Alleinstehenden armutsgefährdet.

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, die Betroffenen hätten es sich häufig nicht selbst ausgesucht, alleinstehend zu sein. „Das verpflichtet die Gemeinschaft, diesen Menschen strukturell zu helfen.“

In Großbritannien wurde vor kurzem sogar ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet – was auch international aufmerksam registriert wurde. Der Untersuchungsbericht einer Einsamkeits-Kommission, die der Schaffung des Regierungspostens in Großbritannien vorausging, kam zu dem Schluss: Einsamkeit ist genauso gesundheitsschädigend wie das Rauchen von täglich 15 Zigaretten.

Für Deutschland hatte bereits SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der „Bild“-Zeitung vorgeschlagen, für den Kampf gegen die Einsamkeit von Menschen einen Koordinator im Bundesgesundheitsministerium zu etablieren. dpa