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Giftanschlag Russisches Labor britischen Medienberichten zufolge identifiziert

Eiszeit zwischen London und Moskau

Archivartikel

New York.Angesichts des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter haben sich Russland und Großbritannien im UN-Sicherheitsrat einen heftigen Schlagabtausch geliefert. „Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, dass sie mit dem Feuer spielen und das noch bereuen werden“, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bei einer Sitzung des Gremiums. Er warf Großbritannien „dreckige Spiele“ vor. Russland habe mit der Vergiftung nichts zu tun. Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce erwiderte, das Ganze sei „Teil eines größeren Musters von unverantwortlichem Verhalten Russlands.“

Vor einem Monat waren Sergej Skripal und seine Tochter Julia bewusstlos auf einer Parkbank in Südengland gefunden worden. Sie sollen mit dem in der ehemaligen Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sein. London bezichtigt Moskau als Drahtzieher des Attentats. Russland dementiert dies und pocht wegen der unklaren Beweislage auf eine unabhängige Untersuchung.

Experte erkennt kein Motiv

Nach Ansicht des Spionage-Experten Christopher Nehring hat Russland kein erkennbares Motiv für den Anschlag: „Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass eine Person wie Skripal umgebracht werden soll. Er war schon ausgetauscht, eigentlich war damit die Sache abgeschlossen“, sagte der Forschungsleiter am Deutschen Spionagemuseum in Berlin dieser Zeitung.

Gestern meldete sich erstmals Julia Skripal zu Wort und erklärte, es gehe ihr von Tag zu Tag besser. Ihr Vater befindet sich nach letzten Angaben in einem kritischen, aber stabilen Zustand. Unterdessen haben britische Experten Medienberichten zufolge das russische Labor identifiziert, aus dem das Gift stammen soll.

Der Anschlag löste eine internationale Krise aus. Zahlreiche westliche Staaten, darunter auch Deutschland, wiesen russische Diplomaten aus. Moskau reagierte mit ähnlichen Maßnahmen. 60 US-Diplomaten haben die Botschaft in Moskau bereits verlassen. dpa/MaMü