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Atommüll Zwischenbericht nimmt Teile Südhessens geologisch in die Auswahl / Umkämpftes Gorleben scheidet aus

Endlager im Odenwald möglich

Archivartikel

Berlin.Zu den 90 Gebieten in Deutschland, die günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager aufweisen, gehören auch Regionen in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Das geht aus dem am Montag vorgelegten ersten Teilbericht zur Standortsuche der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor. Der lange heftig umkämpfte Salzstock Gorleben scheidet als Lagerstätte aus.

Nach dem Bericht ist ein Anteil von 54 Prozent der deutschen Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Darin ist die Überlagerung einiger Gebiete berücksichtigt. Teilgebiete sind laut BGE Gebiete, die eine günstige geologische Gesamtsituation für die Lagerung hoch radioaktiver Abfälle erwarten lassen. Die Teilgebiete verteilen sich auf alle Bundesländer mit Ausnahme des Saarlands. Sie liegen vor allem in Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Auch in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin sind welche ausgewiesen.

Noch keine Vorentscheidung

Die Suche fängt aber nun erst richtig an, es gibt keine Vorentscheidung für einen Standort. In der nächsten Phase sollen die Gebiete eingegrenzt werden. Für den Südwesten sind unter anderem große Teile des badischen und hessischen Odenwalds ausgewiesen. Ein weiteres sehr großes sogenanntes Teilgebiet erstreckt sich von Baden-Württemberg und Bayern über Thüringen, Sachsen-Anhalt, das südliche Brandenburg und Sachsen in den Nordosten von Deutschland.

Ebenfalls möglich wäre ein Standort im Schwarzwald als Teil einer Region, die sich Richtung Osten über Bayern bis an die tschechische Grenze zieht. Konkrete Regionen werden in dem Bericht nicht genannt. In Rheinland-Pfalz ist auf der Übersichtskarte ein Areal aufgerührt, das etwa von Nackenheim (Landkreis Mainz-Bingen) bis Edenkoben (Südliche Weinstraße) reicht und damit viele Regionen Rheinhessens und der Pfalz einschließt.

Politiker von Grünen, Linke und SPD bewerteten das Aus für den Salzstock Gorleben als Erfolg für die Anti-Atomkraft-Bewegung. Dagegen kritisierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass der Salzstock aus dem Verfahren herausgenommen wurde.

Skepsis in Bayern

Der Bericht stieß bei Söder auf große Skepsis. Von Bayern gebe es im Verfahren jetzt „keine Totalblockade“, der Freistaat werde das Verfahren aber „sehr konstruktiv und kritisch begleiten“, sagte er in München. Söder betonte, die Vorgabe, ein Endlager für eine Million Jahre sicherstellen zu können, erlaube keine Alternative zu geologischen Barrieren. Dies sei für den zerklüfteten Granit in Bayern nicht ohne technische Maßnahmen machbar. dpa

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