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Corona Mehr als 1300 Infizierte nach Ausbruch in Fleischfabrik / Nordrhein-westfälischer Ministerpräsident Armin Laschet vor Ort

„Enormes Pandemie-Risiko“

Archivartikel

Gütersloh/Berlin.Nach dem Corona-Ausbruch mit mehr als 1300 Infizierten in einer Fabrik des Fleischkonzerns Tönnies bleiben dem Kreis Gütersloh drastische Einschränkungen des Alltags vorerst erspart. Nach einer Krisensitzung stellte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) jedoch klar, dass ein regionaler Lockdown weiter eine Option sei, um die Infektionen unter Kontrolle zu bekommen. In der Kritik von Politik und Verbraucherschützern stehen der Unternehmer Clemens Tönnies sowie die Branche insgesamt – der Vorwurf: ungesunder Preiskampf bei Fleisch zulasten der Beschäftigten, der Landwirte und des Tierwohls.

Es gebe „ein enormes Pandemie-Risiko“, warnte Laschet am Sonntag in Gütersloh. Das Infektionsgeschehen sei jedoch bei der Firma lokalisierbar, und es gebe keine Infektionskette in die übrige Bevölkerung der Region. Sein Kabinett war zu einer Krisensitzung zusammengekommen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Entscheidung für falsch. „Der Ausbruch blieb so lange unentdeckt, dass er sich längst auf die Bevölkerung ausdehnen konnte“, twitterte er.

Corona-App in weiteren Sprachen

Die Politik sieht parteiübergreifend Handlungsbedarf. „Fleisch ist zu billig“, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Sie setzt sich daher nun auch für eine Tierwohlabgabe ein, die auf Fleisch, Wurst und anderes aufgeschlagen werden könnte. „Dabei soll Fleisch kein Luxusprodukt für Reiche werden. Aber auch keine Alltagsramschware.“

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung soll in den kommenden Wochen auch in weiteren Sprachen zur Verfügung stehen. „In etwa vier Wochen wird es eine türkische Version geben, außerdem sind weitere Sprachen in Planung: Französisch, Arabisch und auch Russisch“, sagte SAP-Vorstand Jürgen Müller der „Bild am Sonntag“. Auch Rumänisch sei in Planung. SAP hat die Anwendung mitentwickelt.

Premierminister Boris Johnson kündigte für Anfang Juli an, weitere Maßnahmen in Großbritannien aufzuheben. Menschen solle wieder ermöglicht werden, in Hotels und Restaurants zu gehen, so der Premier. Dafür solle es bald neue Richtlinien geben. Laut der britischen Zeitung „Daily Telegraph“ will Johnson den Sicherheitsabstand auf einen Meter heruntersetzen. Derzeit gelten in England zwei Meter Mindestabstand.

Viele Tote in Brasilien

Während in Europa die Zahlen der Infizierten sinken, hat Brasilien am Sonntag die Marke von einer Million Corona-Infizierten durchbrochen. Fast 50 000 Menschen sind tot. Das Land liegt in mehreren Statistiken auf Platz zwei der am meisten betroffenen Staaten der Welt. dpa

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