Thema des Tages

Interview Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verteidigt den Corona-Kurs der Regierung

„Es gibt Licht am Ende des Tunnels“

Archivartikel

Berlin/München.Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht die Vergiftung des russischen Kremlkritikers Alexej Nawalny als schwere Hypothek für das Verhältnis zu Moskau. „Dass Oppositionelle und kritische Stimmen in Russland in Serie um ihre Gesundheit oder ihr Leben fürchten müssen, ist ohne Zweifel eine schwere Belastung für die Glaubwürdigkeit der russischen Führung und erschwert die Zusammenarbeit“, sagte Steinmeier dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Unrecht müsse klar benannt werden. „Und hier ist ein Verbrechen verübt worden, dessen Verantwortliche nur in Russland zu finden sein werden.“

Appell an die Bevölkerung

Zum Umgang mit der Corona-Krise betonte Steinmeier in dem Interview, das dieser Redaktion zur Verfügung gestellt wurde: „Wir dürfen die Trauer der Angehörigen nicht vergessen. Wir haben 9300 Tote zu beklagen.” Das seien zwar niedrigere Todeszahlen als anderswo. „Aber es sind in sechs Monaten dreimal so viel wie die jährlichen Verkehrstoten.” Ohnehin würden die Zahlen jene nicht trösten, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben. Steinmeier zeigte sich optimistisch, dass das Virus besiegt werden könne. „Ich finde die Meldungen über die aussichtsreiche Forschung an Impfstoffen durchaus ermutigend”, sagte er.

„Es gibt Licht am Ende des Tunnels – allerdings wissen wir nicht, wie lang die Wegstrecke dahin noch ist.” Deshalb dürfe die Bevölkerung in ihren Bemühungen und ihrer Disziplin nicht nachlassen. „Wir haben den Corona-Ausnahmezustand gemeistert, jetzt werden wir nicht an der Corona-Normalität scheitern”, sagte der Bundespräsident.

Für die Corona-Müdigkeit vieler Landsleute zeigte der Präsident Verständnis: „Die Belastungen der Menschen sind real, und ich verstehe, dass die Sorgen zunehmen”, erklärte er. Wichtig sei es deshalb, über den Sinn von Maßnahmen zu reden und diese dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt immer wieder anzupassen.

Neue Testpanne in Bayern

Steinmeier schloss eine weitere Amtszeit als Bundespräsident nicht aus. „Ich darf unser Land nach außen vertreten, internationale Beziehungen pflegen und die innenpolitischen Diskussionen um den Blick von außen bereichern. All diese Aufgaben sind nach dreieinhalb Jahren unverändert fordernd und spannend”, sagte er, fügte aber hinzu, dass diese Frage nicht jetzt entschieden werden müsse.

Unterdessen wurde in Bayern eine neue Corona-Testpanne bekannt. Davon sind rund 10 000 Menschen betroffen, wie ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums am Freitag in München sagte. Grund war nach Angaben des Ministeriums ein EDV-Problem beim privaten Dienstleister Ecolog, der im Auftrag des Bundeslandes Bayern an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen die Tests durchführt. red/dpa

Zum Thema