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Corona-Krise Kanzlerin appelliert in einer Fernsehansprache an die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen / Mobiles Testzentrum nimmt in Schwetzingen Arbeit auf

„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“

Archivartikel

Berlin/Mannheim/Schwetzingen.Mit einem eindringlichen Appell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands zu Solidarität und Disziplin im Kampf gegen das Coronavirus gemahnt. „Das ist eine historische Aufgabe, und sie ist nur gemeinsam zu bewältigen“, sagte Merkel am Mittwoch in einer Fernsehansprache zur Corona-Krise.

„Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an“, machte die Kanzlerin den überaus großen Ernst der Lage deutlich. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Es sei dringend notwendig, dass die sozialen Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren werden, damit sich das Virus nicht zu schnell ausbreite.

Zusätzliche, noch drastischere Maßnahmen wie eine allgemeine Ausgangssperre verkündete die Kanzlerin nicht. Sie sagte aber auch: „Halten Sie sich an die Regeln. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist.“

Mannheim schließt Gastronomie

Die Stadt Mannheim hat unterdessen die Schließung aller Gastronomiebetriebe verfügt. Nur noch der Lieferdienst von Speisen sowie der Straßenverkauf sind erlaubt. Dort dürfen sich aber keine Warteschlangen von mehr als zehn Personen bilden. Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Mannheim ist inzwischen um sieben auf 79 Menschen gestiegen. In Schwetzingen hat das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises ein mobiles Corona-Abstrichzentrum in Betrieb genommen. Nach Angaben von Sprecherin Silke Hartmann sollen dort täglich bis zu 100 begründete Verdachtsfälle auf das Virus getestet werden. Die Betroffenen können bei der Probenentnahme im Auto sitzen bleiben. Testen lassen können sich nur Bewohner des Kreises und der Stadt Heidelberg. In der Region seien weitere solcher Zentren geplant, kündigte Hartmann an. Wann und wo stehe jedoch noch nicht fest.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sendete nach einem Spitzentreffen mit den Sozialpartnern am Mittwoch in Berlin ein klares Signal: Firmen und Beschäftigte sollten in dieser beispiellosen Krise nicht im Stich gelassen werden.

Heil kündigte nun an, voraussichtlich am Montag werde das Bundeskabinett ein Gesetz beschließen, das es Arbeitgebern gestatte, bei Schul- und Kitaschließungen Lohnfortzahlungen ausweiten zu können. Die Firmen sollen sich das Geld vom Staat zurückholen können. Geplant sei ein gestuftes Verfahren, so dass die Löhne nicht absacken. Es gehe um Kinder unter zwölf Jahren. Weitere Details nannte Heil noch nicht.

Politik und Sozialpartner wollen auch Lohnlücken beim Kurzarbeitergeld abfedern, sagte Heil. Und neben Kreditprogrammen für Unternehmen soll es für Freiberufler und Solo-Selbstständige Direkthilfen geben. dpa/jei/pwr

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