Thema des Tages

Sport Verbot von Mikroplastikgranulat in der Diskussion / Politiker reagieren unterschiedlich auf Pläne

EU-Vorstoß verunsichert Vereine mit Kunstrasenplatz

Archivartikel

Mannheim/Brüssel.Amateurvereine in der Region fürchten große Nöte, falls das diskutierte Granulat-Verbot durch die Europäische Union tatsächlich umgesetzt wird. „Betroffen von dem Verbot wären wahrscheinlich fast alle Vereine aus dem Fußballkreis Mannheim“, sagte dessen Vorsitzender, Harald Schäfer, dieser Zeitung. Auch der Heppenheimer Kunstrasenverkäufer Frank Tegelkämper berichtete von mehreren Anfragen besorgter Vereine und Kommunen aus der Region.

Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) führt Befragungen durch, welche Auswirkungen es auf die Umwelt habe, wenn weniger Mikroplastik-Granulat eingesetzt werde. Der Stoff wird in Kunstrasenplätzen als Füllstoff eingesetzt. Granulat gilt als Material, das Verletzung am ehesten vorbeugt. Welche Auswirkungen es auf die restliche Gesundheit hat, ist laut Echa weitgehend unbekannt. Die Erhebungen laufen bis zum 20. September, im Frühjahr werden die Ergebnisse der Kommission vorgelegt. Mit einem Verbot wird frühestens 2021 gerechnet.

Der in der Bundesregierung für Sport zuständige Innenminister Horst Seehofer (CSU) plant einen Bestandsschutz. Demnach müssten bereits genutzte Plätze bis spätestens 2027 saniert werden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich bereits für ein künftiges Verbot von Granulat ausgesprochen. Ein genereller Verzicht auf Kunstrasenplätze sei jedoch „keine Lösung“.

Verbände werfen Politikern vor, unsachlich zu argumentieren. So gäbe es im Gebiet des Badischen Sportbundes Nord laut Sprecher Wolfgang Elfner „eine große Unsicherheit“, nachdem die in Baden-Württemberg für Sport zuständige Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bereits erklärt hatte, den Bau von Kunstrasenspielfeldern mit Mikroplastik künftig nicht mehr zu fördern.

Das hessische Innenministerium hat sich auf Anfrage dieser Zeitung zurückhaltend geäußert. Zwar „müssen Umweltgefährdungen untersucht werden“, aber: „Die mit einem Verbot ab 2021 verbundenen Folgen würden dazu führen, dass Plätze geschlossen werden müssten, da eine Sanierung in einer derart kurzen Zeit zu bewältigen wäre.“ Dies wäre für die „Bewegungsförderung ein nicht zu bewältigender Rückschlag“.

Auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) forderte „eine verträgliche und verhältnismäßige Übergangsfrist“. (mit dpa)

Zum Thema