Thema des Tages

Klimawandel Ausbreitung neuer Krankheiten befürchtet / Hohe Schäden durch Extremwetter

Experte warnt vor tropischen Erregern

Rhein-Neckar/Kattowitz.Das Zika-Virus, Dengue-Fieber, West Nil-Virus – die Deutschen müssen sich wegen des Klimawandels auf neue tropische Krankheiten einstellen. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit fremden Erregern anzustecken, werde steigen, sagte Biologe Norbert Becker, wissenschaftlicher Leiter der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) am Oberrhein, dieser Zeitung.

In dauerhaft heißen Sommermonaten wie in diesem Jahr gediehen Viren und auch Überträger wie die Asiatische Tigermücke prächtig in der Region, warnte Becker. Unter anderem in Heidelberg seien bereits Populationen der Tigermücke über mehrere Generationen hinweg nachgewiesen worden. „Wir sind massiv dabei, dass wir diese Tierchen wieder loswerden“, sagt Becker. Die auffällig schwarz-weiß gefärbte Stechmücke kann Dengue-Fieber oder das Zika-Virus übertragen.

„Brauchen mehr Solidarität“

Auf der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz haben Entwicklungsländer unterdessen scharfe Kritik an Industriestaaten geübt. Sie fühlen sich mit Schäden durch Extremwetter allein gelassen. Der Vertreter des Karibik-Inselstaats Dominica auf der UN-Konferenz, Lloyd G. Pascal, sagte, sein Land werde wegen der geografischen Lage direkt und ungebremst von Hurrikans getroffen. „Die schwächsten Mitglieder der Menschheit auf diesem Planeten bekommen keine Aufmerksamkeit in diesen Klimawandel-Gesprächen“, sagte er. Die Klimagipfel seien nur Show. „Wir brauchen mehr Solidarität.“ Die Länder, die die Möglichkeit hätten, Treibhausgase zu reduzieren und finanzielle Unterstützung zu leisten, täten dies nicht.

Tatsächlich sind arme Länder nach Angaben der Entwicklungsorganisation Germanwatch besonders von Schäden durch Stürme, Starkregen, Hitze und Dürre betroffen – an der Spitze Puerto Rico, Honduras und Myanmar. Puerto Rico wurde im Herbst 2017 von Hurrikan „Maria“ verwüstet, 3000 Menschen starben. (mit dpa)