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Arbeitsmarkt Für freie Stellen und die Sozialsysteme werden nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit Einwanderer gebraucht

Experten fordern mehr Fachkräfte aus dem Ausland

Archivartikel

Nürnberg/Mannheim.Deutschland braucht dringend Einwanderung aus dem Ausland, um klaffende Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen und die Sozialsysteme langfristig stabil zu halten. Das sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Anteil von Ausländern aus der EU und aus dem Nicht-EU-Ausland am Zuwachs der Beschäftigung habe im Juni 2019 bereits fast 60 Prozent betragen. Im Juni 2011 lag diese Quote noch bei rund 20 Prozent.

Wettbewerb um kluge Köpfe

„Das Beschäftigungswachstum wird zu über der Hälfte von Ausländern getragen“, sagte Terzenbach. Bei den Zuwanderern verschiebe sich der Anteil deutlich von der EU zu Nicht-EU-Ländern. „Man sieht, dass es einen Zuwachs gibt. Allerdings auf einem Niveau, das quantitativ einfach noch nicht ausreicht“, erklärte Terzenbach.

„Wir brauchen Fachkräftezuwanderung, um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu machen und damit auch die Soziale Marktwirtschaft zu erhalten“, sagte Terzenbach. Das sei eine reine mathematische Ableitung, nicht etwa eine politische Meinung. „Das können wir gut finden oder nicht.“

Der internationale Wettbewerb um Arbeitskräfte und kluge Köpfe werde gerade rapide schärfer, sagte Terzenbach. „Wir merken, dass Länder wie Japan, Südkorea oder die angelsächsischen Einwanderungsländer sehr stark in das Thema Fachkräfterekrutierung aus anderen Ländern investieren“, sagte er. Deutschland müsse großen Einsatz aufbringen, um Ausländern in ihren Heimatländern die deutsche Sprache nahezubringen. Zudem merkte Terzenbach an: „Wir müssen als Deutschland lernen, dass wir für uns ganz stark werben müssen. Wir müssen Leute willkommen heißen wollen!“

Auch regionale Betriebe leiden

Dass auch regionale Betriebe unter dem Fachkräftemangel leiden, betonte Klaus Hofmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Der seit Ende Oktober 2019 amtierende Präsident der Handwerksammer Mannheim Rhein–Neckar Odenwald führt dies auch darauf zurück, dass „Handwerksberufe bei vielen jungen Menschen nicht hip“ seien. Kritik übt Hofmann an der Bundesregierung, die seiner Meinung nach nicht genug tue, um den Handwerkern das Leben zu erleichtern: „Bundeswirtschaftsminister Altmaier kann ich nur raten, schneller zu handeln und Gas zu geben, die vergangenen Jahre hat sich die Bundesregierung nur mit sich selbst beschäftigt.“

Eine weitere Herausforderung für die Betriebe sei die Digitalisierung. „Es reicht nicht, neue Maschinen zu kaufen, auch die Mitarbeiter müssen entsprechend fortgebildet werden“, so Hofmann. Kein Verständnis hat der Handwerkskammer-Präsident für die gesperrte Hochstraße Süd in Ludwigshafen: „Die Situation ist untragbar.“ (dpa/tbö)

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