Thema des Tages

Extremismus 50-Jähriger attackiert Bottroper Passanten mit Auto / Anschlag aus Fremdenhass wahrscheinlich

Fahrer wollte Ausländer töten

Archivartikel

Bottrop.Aus Fremdenhass ist ein Autofahrer in der Silvesternacht im Ruhrgebiet mehrmals gezielt in Menschengruppen gefahren und hat mindestens fünf Personen verletzt. „Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nach den ersten Vernehmungen. Der später Festgenommene habe das Auto in Bottrop und Essen bewusst in Menschengruppen gesteuert, die überwiegend aus Ausländern bestanden. Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem „gezielten Anschlag“.

Die schlimmsten Folgen hatte die Tat in Bottrop, wo der 50-Jährige kurz nach Mitternacht auf dem zentralen Berliner Platz in die Menge fuhr, die gerade das neue Jahr begrüßte. Vier Menschen wurden dort verletzt, darunter ein Kind. Eine 46-Jährige schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Einen weiteren Verletzten gab es später in Essen. Zwei andere Versuche des Mannes, in Bottrop und Essen Passanten anzufahren, schlugen fehl.

Der mutmaßliche Täter stamme aus Essen und sei bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten, hieß es. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben „erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers“. Die Polizei hält sich mit Aussagen zum genauen Tatablauf zunächst zurück. Ein erster Zeuge wurde nach Darstellung der Behörden kurz vor Mitternacht auf einer Zufahrtsstraße zur Bottroper Innenstadt auf den silbernen Wagen aufmerksam. Plötzlich habe das Auto auf den Fußgänger zugehalten. Doch der Passant konnte sich retten.

Video eines Augenzeugens

Der Mann fuhr weiter in Richtung Stadtzentrum. Als er dort ankam, war das Jahr 2019 erst wenige Minuten alt. Die Menschen auf dem Berliner Platz hätten ausgelassen gefeiert, berichtete ein Augenzeuge am Tag danach. Dann zeigt der Mann ein Video: Zu sehen ist das Auto, das in die Menge fährt. Es rollt langsam, dadurch können sich noch viele Menschen in Sicherheit bringen. Klar ist: Mindestens vier Menschen wurden verletzt. „Da ist jemand bewusst mit Tötungsabsicht in Menschen reingefahren“, sagte Reul.

Anschließend sei der 50-Jährige nach Süden in seine Heimatstadt Essen geflüchtet. Dort habe er noch zweimal versucht, gezielt in Menschengruppen zu fahren. In einem Fall wurde eine Person leicht verletzt. Im anderen Fall passierte wie durch ein Wunder nichts. „Er ist dort so auffällig gefahren, dass offensichtlich die Leute das geahnt haben und sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten“, sagte Innenminister Reul. Kurze Zeit später nahm die Polizei den Mann fest. Schon dabei habe er sich fremdenfeindlich geäußert. dpa