Thema des Tages

Gesellschaft Ruf nach Gleichstellung wird drängender

Frauen haben das schlechte Gewissen satt

Archivartikel

Mannheim/Berlin.Noch immer verdienen Frauen in Deutschland weniger als Männer. Bundesweit lag das mittlere Einkommen von vollzeitbeschäftigten Frauen laut Bundesagentur für Arbeit bei 2920 Euro brutto, das der Männer bei 3372 Euro brutto. Das ist ein Grund, warum die Stimmen für eine bessere Gleichstellung besonders am heutigen Internationalen Frauentag lauter werden.

Die in Heidelberg lebende Autorin Jagoda Marinic hält den Tag für mehr als nur ein symbolisches Datum: „Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass wir diese Politik brauchen – also Momente, die uns an Werte erinnern und Schlaglichter werfen auf Themen.“ Der Frauentag wird seit mehr als 100 Jahren immer am 8. März begangen. Mit Blick auf Männer verlangt Marinic eine partnerschaftliche Gestaltung der Zukunft: Ein Mann, der sich für Frauenrechte stark mache, setze sich für ein positives Zusammenleben ein. „Nicht Frau gegen Mann, sondern: Wir kämpfen gemeinsam für eine bessere Lebenswelt“, sagte Marinic dieser Zeitung.

Der in der Rhein-Neckar-Region engagierte Verein „Working Moms“ („Berufstätige Mütter“) pocht auf größeres Verständnis. Ständig werde eine Erklärung erwartet – von Vollzeitmüttern zu Hause ebenso wie von berufstätigen Frauen mit Kind, kritisierte Nora Legittimo, eine der „Working Moms“. „Sich nicht für seine Entscheidung rechtfertigen zu müssen, das hilft schon ungemein.“

Wichtiger Stabilitätsanker

Außenminister Heiko Maas hat eine stärkere Beteiligung von Frauen bei der internationalen Konfliktlösung gefordert. „Frauen sind nämlich ein wichtiger Stabilitätsanker nach Konflikten, und sie sind unverzichtbar bei der Bewältigung von Krisen“, sagte der SPD-Politiker.

Das International Peace Institute habe festgestellt, dass ein stabiler Frieden um über ein Drittel wahrscheinlicher werde, wenn Frauen am Prozess beteiligt seien. Gesellschaften, in denen Frauen und Männer gleichberechtigt sind, seien „friedlicher, erfolgreicher und am Ende wahrscheinlich glücklicher“, so Maas. dms/akj/dpa