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Verkehr Bundesländer regeln Gigaliner-Strecken unterschiedlich

Freie Fahrt für lange Lkw in Rheinland-Pfalz

Mannheim.Überlange Lastkraftwagen, sogenannte Gigaliner, dürfen jüngst auf allen Autobahnen in Rheinland-Pfalz fahren. Das teilte eine Sprecherin des Mainzer Verkehrsministeriums auf Anfrage mit. In Baden-Württemberg und Hessen sind die Lang-Lkw mit bis zu 25,25 Meter Länge nur auf ausgewählten Strecken freigegeben, die in einer „Positivliste“ festgehalten werden.

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern stoßen beim Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg auf Kritik. „Unsere Mitglieder können es schwer nachvollziehen, wieso sie in einem Bundesland Freiheiten genießen, im anderen eingeschränkt werden“, sagte Geschäftsführer Andrea Marongiu dieser Zeitung. Die Bundesländer prüfen Streckenwünsche interessierter Logistik- und Speditionsunternehmen auf Eignung und melden diese an den Bund. Das Streckennetz freigegebener Routen wird auf dieser Grundlage regelmäßig vom Bundesverkehrsministerium aktualisiert. Dies erfolgt im Rahmen einer Änderungsverordnung.

Während der Betrieb in Rheinland-Pfalz nach Angaben der Sprecherin „reibungslos“ verlaufe und es bislang keine Anmerkungen oder Beschwerden über die Fahrten gegeben habe, ziert sich Baden-Württemberg weiterhin vor einer Freigabe. „In Baden-Württemberg verfolgt die Landesregierung gemäß Koalitionsvertrag das Ziel, den Straßengüterverkehr zu reduzieren und mehr Güter auf die Schiene und das Binnenschiff zu verlagern“, begründet ein Sprecher des Verkehrsministeriums die Entscheidung.

Auch Umweltschützer befürchten, dass die Lang-Lkw für eine weitere Belastung der Fahrbahnen sorgen. „Wir lehnen die Ausweitung der Zulassung für die Riesen-Lkw ab. Das ist das völlig falsche Signal in Zeiten wachsenden Klimabewusstseins“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer des gemeinnützigen Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene, dieser Zeitung. Riesen-Lkw seien umweltschädlich, weil der Güterverkehr von den Schienen auf die Straße verlagert werde.

Angst vor Mehrbelastung

Unversöhnlich zeigte sich auch Verkehrsexperte Arne Fellermann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: „Die Infrastruktur wird einem größeren Stress unterworfen. Die Straßen und Brücken werden ohnehin durch den Schwerlastverkehr maroder. Und wenn mehr Gigaliner unterwegs sind, erhöht das den Kostendruck auf die Straßeninfrastruktur.“ Vor allem Kommunen in Baden-Württemberg befürchteten laut dem Sprecher des Verkehrsministeriums eine Mehrbelastung durch möglicherweise notwendige Erhaltungs-, Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen in der Infrastruktur.

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