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Universität Heidelberg Chefarzt der Frauenklinik mit Antrag zum Teil erfolgreich / Schwere Vorwürfe erhoben

Gericht stoppt Bluttest-Bericht

Archivartikel

Heidelberg/Karlsruhe.In der Affäre um den Heidelberger Bluttest auf Brustkrebs hat das Universitätsklinikum am Dienstag auf richterliche Anordnung hin die Präsentation des Abschlussberichts abgesagt. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hatte nur wenige Minuten zuvor einem Antrag von Christof Sohn stattgegeben. Der Chef der Heidelberger Uni-Frauenklinik gilt als einer der Hauptverantwortlichen in dem Skandal. Der Test war im Februar als Durchbruch in der Krebsmedizin präsentiert worden, was sich später als unhaltbar erwies.

Die unabhängige Experten-Kommission, die im Frühjahr eingesetzt worden war, um die Vorgänge in Heidelberg aufzuklären, wollte am Dienstag während einer Pressekonferenz ihren Abschlussbericht vorlegen. Dagegen setzte sich Sohn zur Wehr. Er wollte verhindern, dass Sachverhalte veröffentlicht werden, die auch Gegenstand des gegen ihn eingeleiteten beamtenrechtlichen Disziplinarverfahrens sind.

Insbesondere, so heißt es in der Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts, sollten Äußerungen untersagt werden, „die Gegenstand der bereits Mitte Juli durchgeführten Pressekonferenz (. . .) waren“. Vor dem Hintergrund des Disziplinarverfahrens sei noch offen, ob die gegen Sohn erhobenen Vorwürfe zuträfen. Ungesicherte Vorwürfe gravierender Art dürften aber nicht vom Antragsgegner in die Öffentlichkeit getragen werden, begründete die 7. Kammer des Verwaltungsgerichts ihre Entscheidung.

„Erhebliches Fehlverhalten“

„Wir haben ein großes Interesse, dass diese Aufklärung in der größtmöglichen Transparenz geschieht“, erklärte Simone Schwanitz, die Aufsichtsratsvorsitzende des Uniklinikums und Abteilungsleiterin im Stuttgarter Wissenschaftsministerium. Sie kündigte an: „Das Uniklinikum prüft jetzt sofort, welche rechtlichen Mittel wir einlegen können.“ Ziel sei es, die Ergebnisse doch noch vorstellen zu können.

Erfolglos blieb Sohn hingegen mit Teilen des Antrags, die sich gegen die Universität Heidelberg richten. Ihr wollte er untersagen, einen ebenfalls für Dienstag geplanten Bericht der Senatskommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft zu veröffentlichen.

Am Nachmittag stellte die Universität schließlich eine Zusammenfassung dieses Berichts auf ihre Internetseite. Darin werden schwere Vorwürfe gegen den Chefarzt erhoben. „Die Hauptverantwortung trägt Prof. Dr. Christof Sohn“, heißt es darin. Die Senatskommission sieht bei ihm ein „erhebliches und schweres wissenschaftliches Fehlverhalten“. Auch die „verfrühte medienwirksame Veröffentlichung“ wird Sohn vorgeworfen.

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