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G20 Putin nennt Merkels Flüchtlingspolitik „Kardinalfehler“ / Trump lobt Kanzlerin

Gipfel-Start mit Streit und Schmeichelei

Archivartikel

Osaka.Wegen tiefgreifender Differenzen beim Klimaschutz droht der G20-Gipfel in Japan zu scheitern. Die Europäische Union machte am Freitag zum Auftakt der Beratungen der großen Wirtschaftsnationen in Osaka deutlich, dass sie keine Abschlusserklärung mittragen werde, die einen Rückschritt gegenüber früheren Gipfeln bedeutet.

Die Gruppe der Gegner besonders strenger Klimaschutzziele in der G20 wächst aber. Neben den USA unter Präsident Donald Trump gehören Brasilien, die Türkei, Saudi-Arabien und Australien dazu. Bei früheren Gipfeln war Trump mit seiner strikten Ablehnung des UN-Klimaabkommens von Paris noch isoliert. Bundeskanzlerin Angela Merkel absolvierte in Osaka ein dichtes Programm: Sie traf sich kurz nach der Ankunft mit Trump, der sie als „fantastische Person“ und „großartige Freundin“ lobte.

Zehn Einzeltreffen geplant

Kurz vor seiner Abreise nach Osaka hatte der US-Präsident Deutschland noch scharf für mangelnde Verteidigungsausgaben und zu große Nähe zu Russland kritisiert. Auf Merkels Agenda stehen insgesamt zehn bilaterale Treffen.

Am Freitag kam sie neben Trump auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zusammen. An diesem Samstag sind Gespräche mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant.

Putin kritisierte vor Gipfelbeginn die Flüchtlingspolitik Merkels scharf. Ihre Entscheidung, die dazu führte, dass im Jahr 2015 Hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland Zuflucht suchen konnten, bezeichnete er in einem Interview der britischen „Financial Times“ als „Kardinalfehler“.

Der russische Präsident lobte dagegen seinen Amtskollegen Trump als einen talentierten Menschen. „Er weiß sehr gut, was seine Wähler von ihm erwarten“, sagte er. „Er hat seine eigene Vision der Welt.“ dpa