Thema des Tages

Online-Attacke Spitzenpolitiker und Prominente auch aus der Region betroffen / Nationales Abwehrzentrum ermittelt

Großangriff auf private Daten

Berlin/Bergstraße.Bei einem großen Online-Angriff sind persönliche Daten von Hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Internet veröffentlicht worden. Die Attacke trifft unter anderem Politiker, Schauspieler und Fernsehmoderatoren. Opfer sind auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein badenwürttembergischer Amtskollege Winfried Kretschmann (Grüne).

Auch teils private Informationen von fast allen Bundestagsabgeordneten aus der Region tauchten im Netz auf – unter anderem von den Bergsträßer Abgeordneten Michael Meister (CDU) und Christine Lambrecht (SPD). Ihr Parlamentskollege Till Mansmann (FDP) ist – so weit bislang erkennbar – dagegen nicht betroffen.

Lambrecht sagte gestern gegenüber dieser Zeitung, sie gehe davon aus, dass durch die Veröffentlichungen in erster Linie das politische System destabilisiert werden solle. Die SPD-Politikerin verurteilte den Angriff auf das Schärfste.

In großem Umfang wurden Daten bereits im Dezember veröffentlicht. Doch erst am Donnerstagabend erfuhr das Kanzleramt davon, die Bundestagsverwaltung in der Nacht zu gestern. Unter den per Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichten Daten finden sich Telefonnummern, die öffentlich zugänglich sind, aber auch berufliche E-Mails, Handynummern, Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen, Privatadressen, außerdem ganze Chatverläufe, Rechnungen und Briefe. Sogar private Sprachnachrichten von Ehepartnern und Kindern wurden veröffentlicht. Betroffen ist auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Wer für den Angriff verantwortlich ist, war gestern noch unklar. Das Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz und zahlreiche andere Behörden sind mit dem Fall beschäftigt. Die Koordinierung liegt beim Nationalen Cyber-Abwehrzentrum. Auch der Generalbundesanwalt in Karlsruhe schaltete sich in die Prüfung ein.

AfD offenbar verschont

Der renommierte Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer geht davon aus, dass die Betroffenen schlechte Passwörter sowie private statt offizielle E-Mail-Adressen für die Kommunikation genutzt haben.

Auffällig ist, wie die Datendiebe die Opfer aussuchten. Auf dem Twitter-Zugang wurden Listen von Betroffenen veröffentlicht, die nach Parteimitgliedschaft geordnet waren. Mit Abstand die meisten Einträge gab es auf der CDU/CSU-Liste, auf der 410 Namen genannt wurden. Auf der SPD-Liste stehen 230 Politiker, bei den Grünen, den Linken und der FDP je einige Dutzend. Die AfD ist die einzige Fraktion im Bundestag, zu der keine eigene Liste veröffentlicht wurde. „Nach dem derzeitigen Stand liegen den ermittelnden Behörden keine Erkenntnisse dazu vor, dass Politikerinnen oder Politiker der AfD von der Veröffentlichung betroffen sind“, teilte das Bundesinnenministerium mit. dpa/kn/pre