Thema des Tages

Bildung Diskussion um schärfere Sanktionen nach rassistischen Mobbingfällen

Härtere Strafen für faule Schüler?

Mannheim.In Deutschland fehlen geeignete Strafen für lernfaule Schüler. Das sagt Diplom-Pädagogin Ingrid Freimuth. In einem Gastbeitrag für diese Zeitung beklagt die ehemalige Frankfurter Lehrerin, dass die gängigen Sanktionen allein auf Förderung setzen würden, was jedoch nur bei grundsätzlich leistungsorientierten Schülern funktioniere. „Bei keiner mir bekannten Fördermaßnahme wird beispielsweise konsequent eine Mitarbeit von den Schülern gefordert – ein fataler Fehler mit negativen Auswirkungen, da so kein Disziplinierungs- und Anpassungsdruck entsteht“, sagt Freimuth.

Sie fordert nun von der Politik einen Sanktionskatalog für Fehlverhalten. Die Debatte wird angeheizt durch rassistisch motivierte Mobbing-Fälle, die kürzlich bekanntgeworden sind. An einer Berliner Grundschule war eine Zweitklässlerin mit jüdischer Religionszugehörigkeit von muslimischen Schülern beschimpft worden. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) fordert angesichts von Problemen an Schulen mit hohem Migrantenanteil mehr Unterstützung von Lehrern durch Sozialarbeiter.

Härtere Sanktionsmaßnahmen lehnen die Kultusministerien in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz ab. „Den Lehrkräften stehen zahlreiche pädagogische Mittel zur Verfügung“, teilt das baden-württembergische Bildungsministerium mit. Die Sanktionen reichten von herkömmlichen Strafarbeiten oder Nachsitzen bis hin zu Erziehungsmaßnahmen wie Unterrichts- oder Schulausschluss. „Diese Möglichkeiten sind aus Ministeriumssicht ausreichend.“ Margarete Imhof vom Lehrstuhl für Psychologie in Bildungswissenschaften an der Universität Mainz hält die Forderung nach schärferen Sanktionen für unnötig. „Dem Schüler beizubringen, wie er sich diszipliniert und anpasst – das kann nicht über Sanktionen funktionieren“, sagt Imhof im Gespräch mit dieser Zeitung.