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Lockdown Verband HDE spricht von „Katastrophenjahr“ / Vielen Betrieben droht das Aus / Hoffnung auf Click & Collect

Handel sucht neue Vertriebswege

Berlin/Mannheim/Bensheim.Gut jeder zweite vom Lockdown betroffene Händler befürchtet nach einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE), ohne weitere staatliche Hilfen das laufende Jahr nicht zu überstehen. 2021 drohe für viele Handelsunternehmen und ganze Innenstädte „zum Katastrophenjahr zu werden“, warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Dienstag in Berlin.

Bei einer aktuellen HDE-Umfrage unter 1500 vom Lockdown betroffenen Textil-, Schmuck-, Spielwaren- und Sportartikelhändlern gaben 23 Prozent der Befragten an, ihr Geschäft ohne weitere Hilfen voraussichtlich bereits im ersten Halbjahr aufgeben zu müssen. Weitere 28 Prozent rechneten ohne zusätzliche staatliche Unterstützung mit einem Aus im zweiten Halbjahr.

Wichtiges Instrument

Um im Lockdown zu überleben, setzt der Handel verstärkt auf alternative Vertriebswege wie Online-Marktplätze, Lieferservices oder Click & Collect-Angebote, aber auch auf neue Wege der Kundenkommunikation etwa über Social Media. Bei Click & Collect wird die Ware zuhause bestellt und beim Händler vor Ort abgeholt. Dieses Service-Angebot bezeichnet Handelsexperte Kai Hudetz im Interview mit dieser Redaktion als „relevanten Umsatzfaktor“ für Läden, die wegen der Corona-Vorgaben geschlossen bleiben müssen. „Click & Collect ist für die Händler vor Ort derzeit die einzige Möglichkeit, sich gegenüber den großen Online-Plattformen zu differenzieren“, sagt Hudetz. Zudem sei es ein wichtiges Instrument, um die Kundschaft zu binden. Die habe auch derzeit das Bedürfnis, den regionalen Handel zu unterstützen.

In den ersten Wochen des zweiten Lockdowns war Click & Collect in einigen Bundesländern verboten. Seit Montag ist es auch in Baden-Württemberg und Bayern erlaubt. Unterschiedlich bleiben je nach Bundesland die Vorgaben für die Händler. In Mannheim sind viele erleichtert: „Die Entscheidung kommt viel zu spät, aber wir sind froh, dass wir Click & Collect jetzt anbieten dürfen“, sagte Andreas Hilgenstock, geschäftsführender Gesellschafter von Engelhorn. Schuhhändler Alexander Seppel dagegen wird es „wahrscheinlich nicht anbieten. So kommen mehr Leute in die Stadt, was eigentlich nicht der Fall sein sollte“, erklärte Seppel.

Tatjana Steinbrenner, Präsidentin des Südhessischen Handelsverbandes, teilte mit, dass Click & Collect finanziell keinen großen Einfluss auf das Weihnachtsgeschäft gehabt habe. Die Inhaberin eines Kaufhauses in Bensheim sprach von „Tropfen auf den heißen Stein“, sieht in dem Prinzip aber eine gute Möglichkeit, sich trotz Lockdown den Kunden zeigen zu können. (mit dpa)

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