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Arbeitsmarkt Mangel an Fachkräften bringt Nachteile für Kunden / Kammerchef Hofmann will höheres Meister-Bafög

Handwerkspräsident wirft Altmaier Tatenlosigkeit vor

Archivartikel

Nürnberg/Mannheim. Fachkräfte fehlen in Deutschland an allen Ecken und Enden – vom Klempner bis zum Altenpfleger. Auch in der Region Rhein-Neckar gibt es in handwerklichen Berufen personelle Engpässe. „Das Handwerk befindet sich derzeit mitten in einer guten Konjunktur“, sagte der neue Handwerkspräsident der Kammer Mannheim Rhein-Neckar Odenwald, Klaus Hofmann (Bild), dieser Zeitung.

Da die Zinsen derzeit niedrig seien, könnten viele Menschen mit Krediten Neubauten und Sanierungen finanzieren. Auf der anderen Seite fehlten dem Handwerk Fachkräfte: „Das führt dazu, dass Betriebe ihre Auslastungsgrenzen schon lange überschritten haben und Kunden warten müssen“, betonte Hofmann.

Die Bundesagentur für Arbeit machte unterdessen deutlich, dass Deutschland dringend Einwanderung aus dem Ausland benötigt, um klaffende Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen. Das sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Agentur. Der Anteil von Ausländern aus der EU und aus dem Nicht-EU-Ausland am Zuwachs der Beschäftigung habe im Juni 2019 bereits fast 60 Prozent betragen. Im Juni 2011 lag diese Quote noch bei rund 20 Prozent. „Das Beschäftigungswachstum wird zu über der Hälfte von Ausländern getragen“, sagte Terzenbach. Bei den Zuwanderern verschiebe sich der Anteil deutlich von der EU zu Nicht-EU-Ländern. „Man sieht, dass es einen Zuwachs gibt. Allerdings auf einem Niveau, das quantitativ einfach noch nicht ausreicht“, erklärte Terzenbach. „Wir brauchen Fachkräftezuwanderung, um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu machen und damit auch die Soziale Marktwirtschaft zu erhalten.“ Das sei eine mathematische Ableitung, nicht eine politische Meinung. „Das können wir gut finden oder nicht.“

Minister muss „Gas geben“

Handwerkspräsident Hofmann sieht als eine Ursache für den Personalmangel das Image der Branche. Handwerksberufe seien bei „vielen jungen Menschen nicht hip“. „Sie wählen lieber einen anderen Ausbildungsberuf oder machen Abitur und studieren anschließend“, sagte Hofmann. Kritik übte der Handwerkspräsident an der Bundesregierung, die seiner Meinung nach nicht genug das Handwerk fördert: „Bundeswirtschaftsminister Altmaier kann ich nur raten, schneller zu handeln und Gas zu geben, die vergangenen Jahre hat sich die Bundesregierung nur mit sich selbst beschäftigt.“ So müsse etwa das Meister-Bafög weiter steigen. Ein Meisterschüler müsse die gleichen Voraussetzungen haben wie ein Student. „Wir brauchen Initiativen, die das Handwerk stärker nach außen tragen und die Gleichstellung der akademischen mit der dualen Ausbildung voranbringen .“ (mit dpa/Bild: Rittelmann)

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