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Hausgemachte Probleme

Der Wald, so scheint es, stirbt infolge des Klimawandels immer schneller ab. Ein Horrorszenario, zweifelsohne. Und es ist auch nicht zu leugnen: Da, wo es immer wärmer und trockener wird, gedeihen Schößlinge nicht mehr, Altbestände vertrocknen, Pilz- und Schädlingsbefall greifen um sich. Zurück bleiben tote, abgeholzte Flächen. Doch der Wald, wie wir ihn kennen, ist keine wild gewachsene Natur, sondern eine menschengemachte Nutzpflanzung. Vor allem die Kiefer bestimmt in der Region seit nahezu 300 Jahren das Bild – im Mannheimer Stadtwald ist heute sogar jeder zweite Baum (noch) eine Kiefer.

Seit dem 18. Jahrhundert als schnell wachsender Ersatz für die zuvor auf fast schon katastrophale Art und Weise gerodeten Eichenbestände gepflanzt, erweist sich das Nadelgehölz nun als nicht mehr widerstandsfähig genug gegen Hitze und Trockenheit. Spätestens nach dem Extremsommer 2018 war klar, dass die Kiefern langfristig aus den Wäldern der Region verschwinden werden. Kahlschläge beherrschten im Winter 2018/19 das Bild in Nordbaden und Südhessen.

Bäume massiv vorgeschädigt

Dass das Baumsterben aber auch durchaus hausgemachte Ursachen hat, darf dabei nicht vergessen werden. Saurer Regen, Schwefeldioxid-Belastung der Luft, sinkende Grundwasserspiegel waren die Wegbereiter des jetzigen Niedergangs. Die Kiefern sterben ja nicht einfach so als Folge von ein paar heißen Sommern auf breiter Front ab. Diese Waldbestände sind massiv vorgeschädigt, Pilz- und Käferbefall sind bereits seit vielen Jahren ein Problem, mit dem die Forstämter und privaten Waldbesitzer zu kämpfen haben.

Deswegen ist es richtig, dass die Waldwirtschaft landauf, landab nach den schmerzlichen Kahlschlägen nun auf nachhaltig gedeihende Arten setzt. Die Zeder könnte die gesuchte Lösung bringen, es sind aber auch andere vielversprechende Kandidaten im Spiel. Die Korkeiche zum Beispiel, Ahorn, Baumhasel, Wildkirsche, Kastanie. Dieser langfristige Umbau der Forsten zum „Klimawald“ ist längst voll in Gang und ein auf Jahrhunderte angelegtes Zukunftsprojekt, von dem erst nachfolgende Generationen zehren werden.

Dazu passt die Tatsache, dass der Wald in Baden-Württemberg – mit rund 14 000 Quadratkilometern deutlich mehr als ein Drittel der Landesfläche – um rund zwei Quadratkilometer jährlich wächst. Ein gewisser Lichtblick bei allem Schrecken des aktuellen Kiefernsterbens.

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