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Großprojekt Die Bahn stellte gestern ihre Planungen für die Schienen-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim vor

ICE-Trasse entlang der A 67 – aber ohne einen langen Tunnel

Bergstraße.Die künftige ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim soll zwischen Darmstadt und Lorsch östlich neben der A 67 verlaufen. Diese Planung stellte gestern die Bahn im Rahmen des elften Beteiligungsforums zu dem Milliardenprojekt vor. Ein langer bergmännischer Tunnel vom Bensheimer Stadtteil Langwaden bis hinter Lorsch ist hingegen nicht vorgesehen. Dieser war jedoch fester Bestandteil der Konsenstrasse, auf die sich der Landkreis, viele Kommunen und Verbände im Kreis Bergstraße verständigt hatten. Schon vor zweieinhalb Jahren sei dieser Vorschlag als „zu teuer“ und „aus Schallschutzgründen nicht notwendig“ bewertet worden, war gestern von Seiten der Bahn bei einer Pressekonferenz zu erfahren. Über Schallschutzmaßnahmen, die über die bisherige Planung hinausgehen, wird am Ende in Berlin entschieden. Der Bundestag muss dafür die entsprechenden Mittel bereitstellen.

Bislang ist geplant, dass die Züge bis auf Höhe von Einhausen auf freier Strecke rollen und kurz vor Lorsch zunächst in einen Trog und dann in einen Tunnel abtauchen, um die A 67 unterirdisch zu queren. Auf der anderen Seite der Autobahn sollen die Gleise dann wieder in Höhe des Lorscher Waldschwimmbades an der Oberfläche auftauchen.

Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Infrastrukturprojekte Mitte bei der DB Netz AG, wollte auf Nachfrage dieser Zeitung nicht gänzlich ausschließen, dass hier noch einmal nachgebessert werden könnte. Eine denkbare Variante sei beispielsweise ein gegenüber der jetzigen Planung etwas längerer Tunnel, bei dem die Gleise bereits kurz vor Einhausen in der Erde verschwinden würden. Voraussetzung ist auch hier, dass der Bund entsprechende Gelder bereitstellt.

Lorschs Bürgermeister Christian Schönung sprach angesichts der gestrigen Planvorstellung von einem „Freitag, dem 13.“. Nach Einschätzung seines Einhäuser Amtskollegen Helmut Glanzner ist die Planung „für die Bürger nicht hinnehmbar“. Der Vorsitzende des Vereins Mensch vor Verkehr, Reimund Strauch, sieht eine „breite Enttäuschung“. Der Bensheimer Bürgermeister Rolf Richter zeigte sich gestern hingegen „sehr erleichtert und erfreut“ auf die Festlegung der Bahn, die Trasse nicht mit der A5 bündeln zu wollen. Negativ betroffen ist jedoch Langwaden. Hier werde man sich kurzfristig mit dem Ortsbeirat zusammen setzen, um zukünftige Lärmschutzmaßnahmen und Forderungen zu beraten, sagte Richter.

Nach Einschätzung von Landrat Christian Engelhardt ist „die gewählte Streckenführung die mit der geringsten Schallbetroffenheit für die Bürger“. Wesentlich dafür sei die Entscheidung, die Strecke nicht entlang der dicht besiedelten Bergstraße in Bündelung mit der A 5 zu bauen. Nun sei es jedoch wichtig, dass die Bürger entlang der A 67 in Langwaden, Einhausen und Lorsch ebenfalls nicht belastet werden. Dies ist mit der heute vorgelegten Planung noch nicht zufriedenstellend gelöst, so der Landrat. kel

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