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Ihr Impfstoff soll Corona besiegen

Archivartikel

Brüssel/Mainz.Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer Liefervereinbarungen mit mehreren Ländern und der Europäischen Union über insgesamt 570 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs für dieses und das nächste Jahr geschlossen. Darüber hinaus gebe es Kaufoptionen für weitere 600 Millionen Dosen, teilte Biontech am Dienstag mit. Alle Vereinbarungen sind den Angaben zufolge abhängig vom klinischen Erfolg und der Zulassung.

Das Unternehmen hatte tags zuvor ermutigende Zwischenergebnisse zur Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffs vorgelegt und angekündigt, dass Pfizer voraussichtlich schon ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen wolle. Neben der EU gibt es laut Biontech auch Liefervereinbarungen unter anderem mit den USA, Kanada, Japan, Hongkong und Macau sowie neun nicht näher genannten Ländern in unbekannter Höhe.

Mit Eltern aus Türkei gekommen

Biontech hat sich binnen zwölf Jahren zu einem Leuchtturm der deutschen Biotech-Branche mit weltweit mehr als 1300 Mitarbeitern entwickelt. Spezialisiert ist Biontech auf individualisierte Immuntherapien für Krebspatienten, doch weltweit für Aufsehen sorgt es wegen seiner führenden Rolle bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Gegründet wurde Biontech von dem Onkologen Ugur Sahin und seiner Frau und Özlem Türeci (Bild). Der 55 Jahre alte Sahin leitet bis heute das Unternehmen als Vorstandschef, die 53-jährige Türeci ist medizinische Geschäftsführerin. Die beiden Biontech-Gründer sind Humanmediziner. Sahin, der in der Türkei geboren wurde und später mit seinen Eltern nach Deutschland kam, promovierte in Köln. Die in Deutschland geborene Türeci machte ihren Doktor im saarländischen Homburg.

Biontech-Vorstandschef Sahin sprach am Dienstag mit Blick auf das am Montag präsentierte Zwischenergebnis einer 90-prozentigen Wirksamkeit des Impfstoffs von einem „Wendepunkt, sowohl für unser Unternehmen als auch für die Innovation in der Wissenschaft. Diese Daten bringen uns einer möglichen Lösung für die aktuelle globale Pandemie einen Schritt näher.“

Auf der Grundlage von Lieferprognosen geht Biontech davon aus, dass in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen ausgeliefert und im nächsten Jahr bis zu 1,3 Milliarden Dosen hergestellt werden. Eine wichtige Rolle bei der Herstellung soll die Produktionsanlage im hessischen Marburg spielen. Die Übernahme des Werks von dem Schweizer Pharmariesen Novartis wurde laut Biontech im Oktober abgeschlossen.

Deutschland möchte bis zu 100 Millionen Dosen erhalten. Damit sei die Bundesregierung in den Gesprächen in der EU angetreten, teilte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag mit. In der EU haben allerdings alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Deutschland hat hier einen Anteil von rund 19 Prozent, dieser soll dann wiederum entsprechend der Einwohnerzahl auf die Bundesländer verteilt werden..

Das wärmeempfindliche Vakzin kann nach Unternehmensangaben bei Temperaturen von minus 70 Grad maximal sechs Monate gelagert werden. Bei Kühlschranktemperaturen von plus zwei bis acht Grad halte sich der Impfstoff bis zu fünf Tage. 

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