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Amoklauf München Pistole auf Internet-Plattform angeboten / Spur führt Staatsanwaltschaft Mannheim nach Karlsruhe

Illegaler Waffenhandel im Netz: Betreiber angeklagt

Mannheim.Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anklage gegen einen 31-jährigen Karlsruher erhoben. Sie wirft dem Informatikstudenten vor, dem Amokläufer von München den Kauf seiner Tatwaffe ermöglicht zu haben. Ein 18-Jähriger erschoss dabei im Juli 2016 neun Menschen und später sich selbst.

Der jetzt angeklagte Karlsruher hatte nach Überzeugung der Ermittler eine Plattform im Darknet, dem verschlüsselten Teil des Internets, betrieben, wo der Amokläufer und ein inzwischen verurteilter Waffenhändler zusammenfanden. Der Vorwurf unter anderem: fahrlässige Tötung in neun Fällen.

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft führte die Ermittlungen, weil es bei ihr eine Abteilung gibt, die auf den Kampf gegen Internetkriminalität spezialisiert ist. Sie ist für ganz Baden zuständig und damit auch für Karlsruhe, den Wohnort des 31-Jährigen. Er sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft.

Drogengeschäfte angebahnt

Seine Plattform mit dem Namen „Deutschland im Deep Web“ und dem Zusatz „Keine Kontrolle, alles erlaubt“ gehört nach den Erkenntnissen der Polizei mit rund 23 000 Nutzern zu einer der größten ihrer Art, die in Deutschland betrieben wurden. Neben Waffen- sollen auf ihr auch Drogengeschäfte eingefädelt worden sein. In Baden sei es das erste Mal, dass man gegen eine solche Plattform vorgehe, sagte Nikolas Hollinger von der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Auch bundesweit seien ihm keine Gerichtsentscheidungen zu solchen Fällen bekannt. Nach Ansicht der Ankläger ist der 31-Jährige der alleinige Entwickler und Betreiber der Plattform. Er hätte „erkennen können und müssen“, dass sich „labile Personen“ eine Waffe verschaffen und mit dieser Menschen töten könnten.

Außer dem genannten Fall werfen die Ermittler dem Karlsruher Beihilfe zum Drogen- und zum Waffenhandel in insgesamt 67 Fällen vor. Wann der Prozess vor dem Landgericht Karlsruhe beginnt, ist noch unklar.

Ermittlungen im Darknet seien extrem schwierig, sagte Roland Bless vom Karlsruher Institut für Technologie. Im dunklen Teil des Internets sei die Spur von Kriminellen kaum nachzuvollziehen. Anonymität erleichtere den Handel mit Drogen und Waffen, wie er über die Plattform „Deutschland im Deep Web“ betrieben worden sein soll.