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Coronavirus Länder wollen zügig über schärfere Maßnahmen entscheiden / USA verbietet Europäern die Einreise

Jetzt drohen Schulschließungen

Archivartikel

Mannheim.Der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz hat das Vorgehen der rheinland-pfälzischen Nachbarstadt Ludwigshafen in der Corona-Krise scharf kritisiert. „Es sollte keinen Wettlauf um die schärfste Maßnahme geben, sondern Vorgaben sollten gemeinsam umgesetzt werden“, sagte Kurz im Interview mit dieser Redaktion. Er plädierte für eine Orientierung an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI). Ludwigshafen hatte am Mittwoch entschieden, viele öffentliche Einrichtungen der Stadt zu schließen – unter anderem auch Abteilungen des Rathauses und Hallenbäder. Kurz sagte dazu: „Wir haben das aus der Presse erfahren.“ Aus seiner Sicht müsse die Lage deshalb international, aber mindestens national koordiniert werden. „Wenn wir jetzt diese Maßstäbe verlassen und unsere eigenen Überzeugungen und Empfindungen an die Stelle koordinierten Verhaltens setzen, dann schaffen wir natürlich eine massive Verunsicherung“, warnte der Oberbürgermeister, der zugleich Präsident des baden-württembergischen Städtetags ist.

Die Gefahr für den Einzelnen in Mannheim durch das Coronavirus ist nach Einschätzung des Oberbürgermeisters derzeit „gering“. Es gehe aber darum, die Ausbreitung zu verlangsamen – deshalb sei es sinnvoll, Veranstaltungen abzusagen. Kurz geht aber davon aus, dass die Zahl der Infizierten auch in Mannheim zunehmen wird. Man werde „über andere Mengen reden als derzeit, auch bei den Menschen, die eine intensivmedizinische Behandlung brauchen, das ist völlig klar“. Die Krankenhäuser seien darauf vorbereitet, sie könnten „in einem hohen zweistelligen Bereich“ Intensivplätze schaffen. Den Angaben zufolge sind in Mannheim derzeit 14 Coronafälle registriert, in ganz Baden-Württemberg sind es 454. Ein 67 Jahre alter Mann aus dem Rems-Murr-Kreis ist am Donnerstag an der Krankheit gestorben.

In der Mannheimer Käfertalschule sind alle vierten Klassen vorsorglich vom Gesundheitsamt für zwei Wochen in Quarantäne geschickt worden. Ein Grundschulkind sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte das Mannheimer Schulamt mit. Abgesagt ist das am 4. April in der Maimarkthalle geplante Technofestival Time Warp. Dafür waren schon mehr als 20 000 Karten verkauft worden. Auch das Mannheimer Nationaltheater unterbricht seinen Spielbetrieb bis zum 19. April.

Noch sind im Kampf gegen das Virus keine großflächigen Schulschließungen in Deutschland beschlossen. Vom Tisch sind sie dennoch nicht. Der Krisenstab der niedersächsischen Landesregierung hatte dies nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen“ empfohlen. Die Stadt Halle hat eine Schließung aller Kindergärten und Schulen bereits angeordnet. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hält flächendeckende Schließungen von Schulen und Kitas für möglich. Darüber entscheiden will an diesem Freitag die Landesregierung in Stuttgart. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich das Virus inzwischen in 115 Ländern ausgebreitet und zu fast 4300 Todesfällen geführt. (mit dms, pwr)

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