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Großbritannien Brexit-Befürworter folgt auf Theresa May

Johnson setzt sich als neuer Premier durch

Archivartikel

London.Der ehemalige britische Außenminister Boris Johnson hat das Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May haushoch gewonnen. Er setzte sich bei der innerparteilichen Wahl mit 92 153 Stimmen gegen seinen Rivalen Jeremy Hunt durch, der 46 656 Stimmen erhielt. Johnson ist damit Chef der Konservativen Partei und soll am Mittwoch von Königin Elizabeth II. zum Premierminister ernannt werden. Mit Spannung wird erwartet, wen der umstrittene Politiker zu sich ins Kabinett holt.

Johnson bezeichnete seine Wahl als „entscheidenden Moment“ in der Geschichte. Dies sei eine „außerordentliche Ehre und ein Privileg“. Zugleich räumte er ein, dass seine Wahl zum Tory- und Regierungschef nicht überall willkommen geheißen werde. Die etwa 160 000 Parteimitglieder – das sind nach Angaben der Zeitung „Independent“ 0,34 Prozent aller Wahlberechtigten – hatten mehrere Wochen Zeit, um sich zwischen Johnson und Hunt zu entscheiden.

Johnson will das Abkommen über den EU-Austritt seines Landes mit Brüssel neu verhandeln. May war mit dem Deal im Parlament drei Mal gescheitert. Die Europäische Union lehnt aber jegliche Änderung ab. Johnson will notfalls am 31. Oktober ohne Austrittsvertrag ausscheiden. Das dürfte negative Folgen für die Wirtschaft und viele weitere Lebensbereiche haben.

ZEW-Chef betont Chance

Der Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, sieht in Johnsons Wahl indes eine Chance. Ihm werde es leichter als May fallen, ein Austrittsabkommen durch das Parlament zu bekommen. Die Europäische Union sollte daher weiter auf Großbritannien zugehen und im Zweifel gar die Frist für einen Brexit noch einmal verlängern.

Johnson wird viele Posten neu besetzen. Zeitungen spekulierten etwa über ein Comeback der früheren Brexit-Minister Dominic Raab und David Davis. Am vergangenen Wochenende hatten bereits Finanzminister Philip Hammond und Justizminister David Gauke die Aufgabe ihrer Ämter im Falle eines Wahlsiegs Johnsons angekündigt. dpa

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