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Demonstrationen In vielen Städten in Deutschland und weltweit protestierten Hunderttausende gegen Rassismus und Polizeigewalt

Kaum Gewalt bei Aufmarsch der Rechtsextremisten in Worms

Archivartikel

Worms/Frankfurt.In Worms hat ein Großaufgebot der Polizei gewaltsame Ausschreitungen im Zusammenhang mit einem NPD-Aufmarsch unterbunden. Rund 1000 Beamte verhinderten, dass sich mehr als 700 Störer, meist aus dem gewaltbereiten linken Spektrum, mit Gewalt Zutritt zu Kundgebung und Aufmarsch der Rechtsextremen vor dem Hauptbahnhof Worms verschafften. Die Polizisten, die mit Steinen und Flaschen angegriffen wurden, kontrollierten die Personalien von rund 500 Teilnehmern.

Darüber hinaus protestierten mehr als 1000 Menschen in der Stadt friedlich und lautstark, unter anderem mit Aufnahmen von Kirchenglocken gegen rassistische Hetzreden.

8000 demonstrieren in Frankfurt

Rund 8000 Menschen haben sich nach Angaben der Polizei am Samstag in Frankfurt versammelt, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Größere Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Ein Polizeisprecher sagte, nicht einmal eine Stunde nach dem Beginn der Kundgebung sei der Römerplatz bereits voll gewesen. Weitere Teilnehmer konnten auf den nahen Paulsplatz ausweichen. Die Teilnehmer hielten Schilder mit dem Motto der Bewegung „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) hoch und riefen „No Justice, no Peace“ (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden). Redner erinnerten daran, dass Rassismus nicht nur in den USA existiere, sondern auch hier ein Problem sei.

Am Samstagabend gab es nach Polizeiangaben außerdem „ohne größere Zwischenfälle“ einen Aufzug mit rund 5000 Demonstranten zum Stadtviertel Gallus. Eine Polizistin vor dem Zug applaudierte den Demonstranten. Ein Polizeisprecher sagte dazu: „Das ist nicht verboten.“ Ein Großteil der deutschen Polizisten stünde einer solchen Geste sicherlich aufgeschlossen gegenüber. Der brutale Polizeieinsatz in den USA, der zum Tod des Afroamerikaners George Floyd geführt und unter anderem die Demonstration in Frankfurt ausgelöst hatte, sei „nicht hinnehmbar“.

Auch in anderen hessischen Städten versammelten sich am Samstag Menschen zu „Silent Demos“ (deutsch: Stille Demonstrationen). In Wiesbaden kamen rund 500 Teilnehmer zusammen, in Kassel nahmen rund 3000 teil. Auch in zahlreichen anderen Städten Deutschlands gingen die Menschen auf die Straße, besonders viele waren es in München mit rund 25 000 Teilnehmern.

Die Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich. In Hamburg kam es im Anschluss zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Aus der Gruppe heraus sei Pyrotechnik gezündet worden. Zwei Beamte wurden laut Polizei verletzt. In Berlin wurden aus einer größeren Gruppe heraus laut Polizei Steine und Flaschen auf Polizisten und Passanten geworfen. Demnach wurden 93 Menschen festgenommen und 28 Polizeibeamte leicht verletzt. Auch in Stuttgart gab es mehrere Zwischenfälle.

Weltweit demonstrierten Hunderttausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt – unter anderem in Rom, London, Paris und Kopenhagen gingen Tausende auf die Straße.

Proteste auch in der Bundesliga

Spieler der Fußball-Bundesliga setzten ebenfalls ein Zeichen. Schweigend sanken die Profis vor den Partien in Dortmund am Samstag und Bremen am Sonntag rund um den Mittelkreis nieder, um sich mit den Demonstranten in den USA und weltweit solidarisch zu zeigen.

Die Integrations-Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) hatte vor den Demonstrationen dazu aufgerufen, mehr Bewusstsein für rassistische Diskriminierung zu entwickeln. „Rassismus gibt es auch in Deutschland – in der Schule, auf der Straße, im Job, in Bus und Bahn, im Freundeskreis“, sagte die Politikerin. Er müsse erkannt, benannt und bekämpft werden. bjz/dpa

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