Thema des Tages

Wirtschaft Exporte im Juni deutlich schwächer / Bürger beurteilen Entwicklung zunehmend skeptisch

Konjunktur: Experte warnt vor Abwärtsspirale

Archivartikel

Rhein-Neckar.Internationale Handelskonflikte und die Hängepartie beim Brexit setzen der deutschen Wirtschaft immer mehr zu. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte, sind die Exporte der Unternehmen im Juni um acht Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Im ersten Halbjahr wuchsen die Ausfuhren nur noch um 0,5 Prozent auf 666,1 Milliarden Euro.

Die deutsche Wirtschaft ist im Vergleich zu anderen Ländern besonders stark vom Export abhängig. „Das heißt, alles, was das Exportgeschäft negativ beeinflusst, schlägt sich auf die Konjunktur nieder. Deutschland ist beim Wachstum deshalb schon seit Längerem Schlusslicht im Eurogebiet“, erklärte Michael Schröder, Finanzmarktexperte am Mannheimer Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Auftragseingang sinkt

Für die Firmen in der Region ist der Export ebenfalls ein starkes Standbein. Hier lief es nach Angaben der Industrie- und Handelskammern (IHK) Rhein-Neckar und Darmstadt zuletzt noch rund. Allerdings erwarten Experten einen Dämpfer. „Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind zuletzt deutlich zurückgegangen“, sagte Hanna Sophie Schmidt von der IHK Rhein-Neckar.

ZEW-Experte Schröder warnte im Gespräch mit dieser Zeitung unterdessen vor einer konjunkturellen Abwärtsspirale: „Inzwischen habe ich den Eindruck, dass sich die Probleme der Außenwirtschaft langsam auf die Binnenwirtschaft auswirken, zum Beispiel auf den privaten Konsum. Das könnte einen selbstlaufenden Abschwung in Gang setzen, der anhält, selbst wenn die internationalen Konflikte gelöst sind“, sagte er. Bislang ist der private Konsum eine wichtige Stütze für die Konjunktur. Dass die wirtschaftliche Entwicklung in der Bevölkerung zunehmend skeptisch betrachtet wird, zeigt auch das Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.

Darin erklärten 45 Prozent der Befragten, dass sie mit einem wirtschaftlichen Abwärtstrend rechnen. Lediglich neun Prozent erwarten einen Aufschwung. So pessimistisch war die Stimmung zuletzt vor zehn Jahren. Ihre persönliche finanzielle Situation bewerten dagegen 67 Prozent als gut und nur fünf Prozent als schlecht.

Zum Thema