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Kanzlerkandidatur Baden-Württembergs Ministerpräsident erntet für seine Empfehlung Kritik aus den Reihen der Grünen

Kretschmann schlägt Habeck vor

Stuttgart.Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat Robert Habeck als geeigneten Kanzlerkandidaten der Grünen dargestellt. Auf die Frage von Entertainer Harald Schmidt, wer von den Grünen für eine Kanzlerkandidatur infrage käme, habe Kretschmann am Donnerstagabend im Stuttgarter Schauspielhaus kurz und knapp geantwortet: „Habeck“. Das sagte ein Sprecher der Landesregierung am Freitag.

Laut dem Hamburger Magazin „Stern“ sagte der Grünen-Politiker Kretschmann über Parteichef Habeck: Dieser sei ein „Kommunikator“ und verfüge als früherer Umweltminister von Schleswig-Holstein zudem über „Exekutiverfahrung“.

Die Grünen-Spitze hat nach den Äußerungen von Kretschmann deutlich gemacht, dass sie eine Debatte über eine mögliche Kanzlerkandidatur derzeit nicht führen will. „Das ist gerade nicht unsere Debatte“, sagte der Politische Bundesgeschäftsführer Michael Kellner am Freitag. „Wir werden alle relevanten Fragen rechtzeitig vor der Bundestagswahl gemeinsam mit der Partei beantworten, und zwar dann, wenn sie konkret anstehen.“

„Kanzlerfrage steht noch nicht an“

Für Elke Zimmer, Grünen-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Mannheim II, kommt die Frage zu früh. „Es ist das gute Recht Winfried Kretschmanns, sich dazu zu äußern. Aber die Partei bespricht dieses Thema jetzt noch nicht“, so Zimmer auf Nachfrage dieser Zeitung. Ähnlich äußerte sich die Mannheimer Stadträtin Melis Sekmen: „Die Kanzlerfrage steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht an.“

Nach seinem Lob für Habeck schob Kretschmann nach, dass er auch dessen Amtskollegin Annalena Baerbock für eine geeignete Kanzlerkandidatin halten würde. „Die Grünen können sich freuen, dass sie zwei Bundesvorsitzende haben, die beide kanzlerkandidatenfähig sind“, sagte der Grünen-Politiker der „Süddeutschen Zeitung“. Kretschmann korrigierte sich ergänzend: „Die Entscheidung, ob die Grünen eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten aufstellen, steht zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht an. Demnach auch nicht die Frage, wer das im Zweifel machen soll. Und schon gar nicht bin ich derjenige, der darüber entscheidet.“

Habeck führt die Grünen seit Januar 2018, und zwar gemeinsam mit Baerbock. Manche Parteimitglieder halten Baerbock für die bessere Kanzlerkandidatin – wobei Kretschmann recht hat damit, dass nur der frühere Umweltminister und Vize-Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Habeck, über Regierungserfahrung verfügt. Dem „Stern“-Bericht zufolge hatte der Südwest-Regierungschef bei dem Gespräch im Stuttgarter Schauspielhaus Baerbock zunächst mit keinem Wort erwähnt. tbö/dpa

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