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Pandemie In zwei Altenheimen insgesamt 121 Menschen infiziert / Rettungsdienste am Wochenende stark beansprucht

Mannheim meldet so viele Corona-Tote wie noch nie

Mannheim/Berlin/Ludwigshafen.Die Stadt Mannheim hat am Montagabend über neun weitere Corona-Todesfälle informiert. So viele waren es seit Ausbruch der Pandemie noch nie. In der im Herbst begonnen zweiten Welle hatte es bisher höchstens zwei Tote an einem Tag in der Quadratestadt gegeben.

Einige der am Montag bekannt gegebenen Toten verstarben bereits am Wochenende, ohne dass dies mitgeteilt worden war. Insgesamt handelt es sich um zwei Männer über 80 und einen Mann über 70, denen in einem Krankenhaus nicht mehr geholfen werden konnte, sowie um sechs Todesfälle in Seniorenheimen: ein über 90-Jähriger, drei über 80-Jährige und eine über 70-Jährige. Möglicherweise gibt es sogar noch einen zehnten Toten. Nach Angaben der Stadt ist noch unklar, ob der Betreffende, ebenfalls aus einem Seniorenheim, in Mannheim gemeldet war. Um Doppel-Zählungen zu vermeiden, melden Kommunen nur Verstorbene aus ihrem Einwohnerregister.

Aus zwei Mannheimer Seniorenheimen wurden am Montag auch alarmierende Infizierten-Zahlen gemeldet: Im von der Evangelischen Kirche getragenen Zinzendorfheim in der Gartenstadt ist das Virus bei 51 von 90 Bewohnern sowie bei 20 Pflegekräften nachgewiesen. In dieser Einrichtung gab es nun auch sieben Todesfälle. Aus dem Seniorenzentrum Waldhof berichtete die Mannheimer Universitätsmedizin von 50 Infizierten, darunter acht Pflegekräfte. Ein Bewohner, der vergeblich noch in ein Krankenhaus gebracht worden war, ist verstorben.

Die Corona-Fälle in den Seniorenheimen flossen teilweise schon vergangene Woche in die Statistik mit ein. Insgesamt wurden am Montag 71 weitere Infizierte gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz ging nach Zahlen der Stadt von 203,8 auf 200,5 zurück. Die hohe Anzahl der Neuinfektionen in Speyer und Ludwigshafen macht den Verantwortlichen Sorgen. Die Domstadt plante daher, eine Maskenpflicht für den öffentlichen Raum einzuführen, und stimmte sich darüber mit der Landesregierung ab. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz nehmen die beiden Städte bundesweit Spitzenplätze ein. Speyer lag mit einem Wert von 367,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auf Platz zwei, Ludwigshafen mit 312,3 auf Platz sechs (Stand 17.05 Uhr) der Statistik.

Völlig überlastet war am Samstag der Rettungsdienst in Mannheim. Wie die Leitstelle bestätigte, mussten fünf weitere Rettungswagen in Dienst gestellt werden – besetzt mit Ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Kräften aus der Freizeit. Hauptgrund war, dass nach dem Transport von Patienten mit Covid-19-Verdacht sieben Fahrzeuge zehn Stunden ausfielen, da sie erst desinfiziert werden mussten. Die BG Klinik in Ludwigshafen-Oggersheim meldet einen „dramatischen Anstieg“ von Transporten mit dem auf Covid-19-Patienten spezialisierten Rettungshubschrauber Christoph 112. Nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Zahl von Patienten unter 65 Jahren steige an. Am Freitag sei ein 40 Jahre alter Mann mit schwerstem Lungenversagen transportiert worden.

Bund und Länder wollen erst in der kommenden Woche über weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie entscheiden. Am 25. November soll auch eine Strategie für die Wintermonate erarbeitet werden, teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit. bjz/pwr/sma/dpa

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