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Mannheim schließt die Parks

Berlin/Mannheim.Immer mehr Staaten kapseln sich angesichts der Corona-Pandemie ein – mit dramatischen Folgen für ihre Bürger, die Wirtschaft und andere Bereiche wie etwa Sport und Kultur. Die FußballEuropameisterschaft 2020 findet erst im Sommer 2021 statt. Während die Bundesländer am Dienstag die Vorbereitungen für ein beispielloses Herunterfahren des öffentlichen Lebens trafen, sprach die Bundesregierung eine weltweite Warnung für touristische Reisen aus.

Die Stadt Mannheim geht über die Anforderungen der Landesregierung in Stuttgart hinaus. „Wo immer es möglich ist: Bleiben Sie zu Hause!“, appelliert Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) an die Mannheimer. Der Luisen- und der Herzogenriedpark werden laut Parkleitung sofort geschlossen.

Auch das Strandbad, die Neckar- und Rheinwiesen sowie alle Spielplätze im Stadtgebiet werden gesperrt. Alle Treffen und Veranstaltungen von mehr als zehn Menschen werden verboten, Ämter geschlossen. Wer dringende Angelegenheiten hat, soll sich telefonisch melden. All das soll spätestens ab Donnerstag gelten. Schon jetzt sind Maimess und Stadtfest, das Ende Mai stattfinden sollte, sowie „Explore Science“ Ende Juni abgesagt.

Daimler stoppt Produktion

Die Krise trifft die Wirtschaft mit immer größerer Wucht – auch beim weltgrößten Autokonzern VW sollen die Bänder stillstehen. Konzernchef Herbert Diess sagte, es sei nun Priorität, die weitere Virusverbreitung einzudämmen. Dabei zeichne sich ab, dass Fabriken in Europa für zwei bis drei Wochen pausieren werden. Auch die VW-Töchter Audi und Skoda kündigten einen vorübergehenden Produktionsstopp an.

Auch beim Autobauer Daimler stehen wegen des Coronavirus vorerst in vielen Werken die Bänder still. Ein Großteil der Produktion in Europa werde von dieser Woche an für zunächst zwei Wochen geschlossen, teilte der Konzern mit. Eine Sprecherin bestätigte, dass auch der Mannheimer Standort betroffen ist. Details zum Zeitplan oder wie viele Mitarbeiter zuhause bleiben müssen, sagte sie nicht. Auch die Arbeit in „ausgewählten Verwaltungsbereichen“ soll unterbrochen werden.

In Mannheim werden Lkw-Motoren und Stadtbusse (Evobus) gebaut. Daimler ist mit insgesamt rund 8600 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Stadt. Zuvor hatte schon Audi bekanntgegeben, die Produktion im Werk Neckarsulm bis zum Wochenende herunterfahren zu wollen.

Die Deutsche Bahn reduziert ihre Beförderungskapazitäten. Sie lässt auf manchen Strecken ihre ICE-Züge jetzt nur noch mit der Hälfte der üblichen Waggons fahren.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnte wegen der Folgen der Corona-Krise vor einer Pleitewelle. Er forderte die Bundesregierung zu mehr Tempo bei Staatshilfen auf. „Nicht nur die Bekämpfung des Coronavirus, auch der Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen ist ein Wettlauf mit der Zeit“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Auch Manfred Schnabel, Präsident der IHK Rhein-Neckar, verlangte im Gespräch mit dieser Redaktion Unterstützung für den Handel.

Angesichts vieler leerer Regale in Supermärkten bemühte sich Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), die Bevölkerung zu beruhigen. „Die Lebensmittelversorgung ist gesichert“, beteuerte die CDU-Politikerin in Berlin. „Ich will klar sagen: Die Supermärkte bleiben offen.“ Gesichert ist laut Deutscher Bundesbank auch die Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld. dpa/jung/pwr

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