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Patientenversorgung Teilzeit und Alter als Risiken

Mehr Ärzte – und trotzdem noch Lücken

Archivartikel

Mannheim/Berlin.Die Zahl der Praxisärzte in Deutschland ist weiter gestiegen – beim Versorgungsangebot für Patienten gibt es aber immer noch große regionale Unterschiede. Am dichtesten ist das Netz in Freiburg im Breisgau mit – statistisch gesehen – 395,3 Ärzten und Psychotherapeuten je 100 000 Einwohner. Am wenigsten niedergelassene Mediziner in diesem Verhältnis gibt es mit 84,3 im Landkreis Coburg in Bayern. Das geht aus neuen Daten des Bundesarztregisters mit Stand Ende vergangenen Jahres hervor.

Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, bestätigt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass die Region über ein gutes Netz auch an Psychotherapeuten verfüge. Allerdings komme es „zu Kapazitätsproblemen, wenn es um schwer kranke Patienten“ gehe, so Meyer-Lindenberg. Es könne zu mehrmonatigen Wartezeiten für einen Platz bei Psychotherapeuten kommen. Das ZI biete dann ambulante Versorgung.

Bundesweit waren rund 148 600 Ärzte und 26 700 Psychotherapeuten mit einer Zulassung für die Versorgung gesetzlich versicherter Kassenpatienten tätig – ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zu Ende 2017. Da Ärzte zusehends Teilzeit arbeiten oder Angestellte statt Praxisinhaber sein wollen, bedeutet dies laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) aber tatsächlich nur einen Zuwachs von 0,2 Prozent. „Die Ressource Arzt ist und bleibt knapp“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen.

Nachwuchs gesucht

Bei Hausärzten ist es zudem besonders dringlich, Nachfolger für eine Praxis zu finden, wenn Mediziner in den Ruhestand gehen. Den größten Anteil an Hausärzten über 65 Jahre hatte Ende 2018 Rheinland-Pfalz mit 18,9 Prozent.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen betonte, Hausärzte seien eine zentrale Säule der Versorgung. Besonders Ärztekammern und Universitäten müssten ihre Anstrengungen steigern, um genug Nachwuchs auszubilden.