Thema des Tages

Coronavirus Verschwörungstheorien finden immer mehr Anhänger / Lockerungsregeln für Gastronomen schwierig / Zwei neue Infektionsfälle im Kreis

Merkel mahnt erneut zur Vorsicht

Archivartikel

Berlin/Wiesbaden/Bergstraße.Die Bundesregierung hat nach den Protesten gegen ihre Corona-Strategie das Recht auf friedliches Demonstrieren betont, aber das Verbreiten von Verschwörungstheorien verurteilt. Sie kritisierte zugleich Übergriffe auf Polizisten und Journalisten scharf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte erneut an die Bürger, sich bei allen Lockerungen an die „Grundgebote“ des Abstandhaltens und des Tragens eines Mund-Nase-Schutzes zu halten.

Am Wochenende hatten Tausende Menschen in vielen Städten Deutschlands – darunter Bensheim – gegen die Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens im Kampf gegen die Corona-Pandemie demonstriert. Die geltenden Abstandsregeln wurden dabei oft missachtet, Schutzmasken nicht getragen. Wie schon in den Wochen davor waren unter den Teilnehmern unter anderem Verschwörungstheoretiker, Impfgegner oder Rechtspopulisten.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte die zunehmenden Proteste nicht als Signal für einen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung werten. Seibert sagte: „Friedliche Demonstrationen sind auch in dieser Zeit wichtig, um divergierende Meinungen öffentlich darstellen zu können.“ Aber die „hohe Aggressivität“ bei manchen Demonstrationen mache der Regierung Sorgen, sagte Seibert.

Trotz des bevorstehenden Endes der Corona-Zwangspause für die Gastronomie werden einige Lokale in Hessen wohl geschlossen bleiben. Angesichts der zahlreichen Auflagen und Beschränkungen sei der Neustart äußerst schwierig, sagte Julius Wagner, der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Hessen. Er schätze, dass jeder vierte bis fünfte Betrieb auf weitere Lockerungen warte.

Großer Aufwand für die Wirte

Wer öffnet, muss Hygiene- und Abstandsregeln einhalten. Als Faustregel gilt ein Gast pro fünf Quadratmeter. Bedienungen und Küchenpersonal müssen Mundschutz tragen, für Gäste wird dies – außer beim Essen – empfohlen. Durch die Beschränkungen könnten Gäste nicht annähernd so bewirtet werden wie normal, so Wagner. Die Wirte hätten einen großen Aufwand bei deutlich weniger Einnahmen.

Künstler, Festivals und Kultureinrichtungen werden von der Landesregierung mit einem Millionenpaket unterstützt. „Kunst und Kultur sind kein Luxus oder Sahnehäubchen in guten Zeiten“, sagte Ministerin Angela Dorn (Grüne). „Kunst und Kultur sind elementarer Bestandteil unseres Lebens.“ Mit der finanziellen Hilfe solle es möglich gemacht werden, die durch die Pandemie bedingten Einschränkungen zu überstehen und den Neubeginn zu meistern. Das Unterstützungspaket „Hessen kulturell neu eröffnen“ hat ein Volumen von 50 Millionen Euro.

Im Kreis Bergstraße gibt es zwei neue Corona-Infektionsfälle. Sie wurden aus Heppenheim und Gorxheimertal gemeldet. Insgesamt seien damit 327 Fälle bekannt, teilte das Landratsamt mit. 277 Personen seien mittlerweile genesen. Drei Patienten lägen in stationärer Behandlung in Krankenhäusern.

Die Zahl der Infektionen hat in Hessen die 9000er Marke überstiegen. Bislang wurden 9013 Fälle im Land registriert, wie das Sozialministerium mitteilte. Das entsprach einem Anstieg von 21 Fällen gegenüber dem Vortag. Die Zahl der Todesfälle stieg um einen auf insgesamt 412.

Zum Thema