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Industrie Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger drängt auf stärkere Unterstützung für Betriebe

Metallbranche erwartet mehr Kurzarbeit

Mannheim.Wegen der Konjunkturkrise rechnet Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger damit, dass wesentlich mehr Unternehmen Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter anmelden. „Im vierten Quartal wurde in der Metall- und Elektroindustrie für 100 000 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet – Tendenz stark steigend. Ich gehe davon aus, dass das im ersten Quartal noch einmal 30 bis 40 Prozent mehr werden“, sagte er im Interview mit unserer Redaktion.

Dulger bekräftigte, dass der Zugang zu Kurzarbeit erleichtert werden müsse. „Normalerweise muss ein Unternehmen erst Überstunden und Urlaube abbauen, bis Kurzarbeit möglich ist. Das ist Unfug, der Betrieb muss sofort in Kurzarbeit gehen können – sonst muss er die Mitarbeiter entlassen.“ Zudem solle Kurzarbeit künftig 24 statt nur zwölf Monate lang möglich sein.

Ende der Flaute unabsehbar

Die Metall- und Elektroindustrie befinde sich in einer Rezession, hob Dulger hervor – also in einer längeren Phase, in der das Wirtschaftswachstum zurückgeht. „Das Problem ist dieses Mal, dass ein Ende nicht absehbar ist.“ Die Konjunkturkrise mische sich mit einem strukturellen Wandel in den Betrieben, unter anderem durch die Digitalisierung – zeitgleich vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung.

Der Gesamtmetall-Präsident setzte sich für besser geförderte Transfergesellschaften ein. „Dort sollen Beschäftigte unterkommen und weiterqualifiziert werden, deren Tätigkeiten durch neue Technologien wegfallen“, erklärte Dulger. „Die Betriebe werden so entlastet, weil sie diese Mitarbeiter nicht weiter bezahlen müssen.“

„Zunehmende Verbotspolitik“

Dulger kritisierte, dass sich die politischen Parteien die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigten. „Das macht mir große Sorgen. Denn dadurch bleibt kaum genug Raum, um wieder mehr Wirtschaft zu wagen“, sagte er. In der Vergangenheit hätte es grobe Fehler gegeben, etwa beim Ausbau des Stromnetzes.

Der CDU warf Dulger vor, in den vergangenen Jahren zu sehr in die Mitte gerückt zu sein und zu große Lücken auf der rechten Seite hinterlassen zu haben. Außerdem widerstrebe ihm zutiefst die „zunehmende Verbotspolitik“, die neben den Grünen auch Unionspolitiker betrieben.

Zu den anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie erklärte Dulger, sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften seien sich „in der schwierigen Situation ihrer Verantwortung bewusst“.

Die IG Metall hatte vorläufig auf eine konkrete Lohnforderung für die rund vier Millionen Beschäftigten verzichtet. Stattdessen laufen derzeit Sondierungen zu „Zukunftspaketen“. Gemeint sind damit Regelungen, um den digitalen und ökologischen Wandel in Kernindustrien wie Auto- und Maschinenbau zu gestalten.

Dulger forderte, sich vom alten Schwarz-Weiß-Denken zu verabschieden. Unternehmen, die von 30 Modulen, die der Flächentarif enthält, zum Beispiel 20 anwenden, sollten genauso als tarifgebunden gelten wie Firmen, die alle Module übernehmen. Der Flächentarifvertrag sei in den vergangenen 20 Jahre viel zu komplex geworden. „Das sind Verträge so dick wie ein altes Telefonbuch. Gerade für kleinere Betriebe ist das zu viel.“

Wiederwahl angestrebt

Dulger sitzt in der Geschäftsführung des Heidelberger Dosierpumpenherstellers ProMinent mit weltweit rund 2700 Mitarbeitern. Er ist seit 2012 Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und will sich dieses Jahr zur Wiederwahl aufstellen lassen.

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