Thema des Tages

Coronavirus Infektionsforscher warnt wegen wieder gestiegener Infektionszahlen

Minister Jens Spahn verteidigt Lockerungen

Archivartikel

Berlin.Gesundheitsminister Jens Spahn hat die von Bund und Ländern beschlossene weitere Lockerung von Corona-Beschränkungen verteidigt und begrüßt ein stärker regionales Vorgehen. „Wir haben insgesamt einen guten Ausgleich gefunden miteinander“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Wichtig seien gemeinsame Kriterien und Maßstäbe. Es gehe um die Balance, die Infektionsdynamik weiterhin niedrig zu halten, und gleichzeitig so viel Normalität wie möglich. Spahn warnte davor, den Eindruck zu erwecken, die Krise wäre schon vorbei. „Wir sind noch mitten in dieser Pandemie.“

Beim weiteren Kampf gegen die Corona-Pandemie setzt Spahn auf Unterstützung der Gesundheitsämter vor Ort und auf eine Ausdehnung der Tests. Ziel sei, die inzwischen mögliche Kapazität von bis zu einer Million Tests pro Woche auch zum Erkennen von Infektionsherden zu nutzen, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Dies solle vor allem in Pflegeheimen und Kliniken angewandt werden können. Um die Entwicklung zu beobachten, sollen die Gesundheitsämter Millionenhilfen bekommen.

Geld für die Gesundheitsämter

Ein ins Parlament eingebrachter Gesetzentwurf der großen Koalition sieht 50 Millionen Euro für die bundesweit 375 Gesundheitsämter vor, um vor allem die Digitalisierung von Prozessen voranzubringen. Geregelt werden soll auch die Finanzierung eines angestrebten Corona-Bonus für Pflegekräfte von bis zu 1000 Euro, den Länder und Arbeitgeber auf bis zu 1500 Euro aufstocken können. Pläne für einen Immunitätsnachweis für das Coronavirus hatte Spahn nach Protesten auch von Seiten der SPD vorerst zurückgezogen.

Aus der Opposition kam Kritik am Kurs der Bundesregierung. Die Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink sagte, eine Corona-Prämie hätten nicht nur Mitarbeiter in Altenheimen, sondern alle im Gesundheitswesen verdient. Für die AfD forderte der Abgeordnete Detlev Spangenberg, die vom Bundestag Ende März festgestellte „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ aufzuheben. Er kritisierte auch, dass der Bund die Kosten für die Behandlung von Corona-Patienten aus europäischen Ländern in deutschen Kliniken übernehmen will.

Aus Sicht des Infektionsforschers Michael Meyer-Hermann haben Bund und Länder ihre Lockerungen zu früh getroffen. In den vergangenen Tagen sei die Zahl der Neuinfektionen wieder gestiegen, erläuterte der Leiter der Abteilung System-Immunologie am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung am Donnerstag. dpa

Zum Thema