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Deutsch-amerikanische Beziehungen Bundeskanzlerin kündigt stärkere Anstrengungen in Sicherheitsfragen an

Nach der Wahl: Merkel geht auf Biden zu

Archivartikel

Berlin.Kanzlerin Angela Merkel hat den USA nach dem Sieg von Joe Biden bei der Präsidentenwahl ein stärkeres deutsches Engagement in Sicherheitsfragen angeboten. „Wir Deutsche und wir Europäer wissen, dass wir in dieser Partnerschaft im 21. Jahrhundert mehr eigene Verantwortung übernehmen müssen“, sagte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin. „Amerika ist und bleibt unser wichtigster Verbündeter, aber es erwartet von uns – und zu Recht – stärkere eigene Anstrengungen, um für unsere Sicherheit zu sorgen und für unsere Überzeugungen in der Welt einzutreten.“

Bei der Wahl hatte der demokratische Kandidat Biden am Samstag nach vier Tagen Stimmenauszählung eine sichere Mehrheit erreicht. Der noch amtierende Präsident Donald Trump will die Wahl nicht anerkennen und den Ausgang vor Gericht anfechten. Dazu äußerte Merkel sich nicht. Sie erwähnte Trump mit keinem Wort.

Vorfreude auf Treffen

Merkels Abneigung gegenüber dem 74-Jährigen, der Deutschland vier Jahre lang als Konkurrenten und nicht als Verbündeten behandelt hat, ist kein Geheimnis. Vor allem hat die Kanzlerin immer wieder den von Trump forcierten Rückzug der USA aus internationalen Organisationen kritisiert sowie die von ihm vertretene protektionistische Politik.

Die Kanzlerin hatte Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris bereits am Samstag per Twitter gratuliert und ihre Freude auf die Zusammenarbeit ausgedrückt. Am Montag äußerte sie sich ausführlicher zum bevorstehenden Machtwechsel im Weißen Haus. „Joe Biden bringt die Erfahrung aus Jahrzehnten in der Innen- wie in der Außenpolitik mit. Er kennt Deutschland und Europa gut“, sagte sie. Gleichzeitig würdigte Merkel, dass Harris als erste Frau und als Kind zweier Einwanderer zur Vizepräsidentin gewählt worden sei. Sie sei „für viele Menschen eine Inspiration, ein Beispiel für die Möglichkeiten Amerikas“. Die Kanzlerin erwähnte ausdrücklich, dass sie sich auf ein Treffen mit Harris freue.

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren unter Präsident Trump auf einen Tiefpunkt gesackt. Jetzt hofft man in Berlin parteiübergreifend auf einen Neustart. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, die Chancen zu nutzen.

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