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Nahost Trump befiehlt Tötung von hohem iranischen General

Nach US-Angriff wächst die Kriegsgefahr

Archivartikel

Bagdad/Teheran/Washington.Nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani bei einem US-Raketenangriff im Irak wächst im Nahen Osten die Sorge vor einem neuen Krieg. Die USA verlegen mehr Soldaten in die Region, die oberste Führung in Teheran und verbündete Milizen drohen Washington mit Vergeltung. „Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache“, schrieb Ajatollah Ali Chamenei in einem Beileidsschreiben.

Die USA bezeichneten Soleimanis Tötung als Akt der Selbstverteidigung und forderten Teheran zur „Deeskalation“ auf. Bei einem Statement in Florida betonte Präsident Donald Trump: „Wir haben (...) gehandelt, um einen Krieg zu beenden. Wir haben nicht gehandelt, um einen Krieg zu beginnen.“ Das Pentagon erklärte, der Einsatz sei auf Anweisung von Trump erfolgt, um weitere Angriffe auf US-Kräfte zu verhindern. US-Außenminister Mike Pompeo zufolge stand ein von Soleimani geplanter Angriff unmittelbar bevor. Wegen der neuen Spannungen verlegen die USA zusätzlich bis zu 3500 Soldaten in die Region. Sie würden als „Vorsichtsmaßnahme“ in Iraks Nachbarland Kuwait stationiert, hieß es am Freitag aus dem US-Verteidigungsministerium.

Soleimani, der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, war in der Nacht zum Freitag bei einem Angriff nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet worden. Nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte trafen drei Raketen zwei Fahrzeuge. Insgesamt starben acht Menschen. Am Freitag kam es im Iran in fast allen Teilen des Landes zu Kundgebungen gegen die USA. Die US-Botschaft in Bagdad rief ihre Staatsbürger zur sofortigen Ausreise auf. Als Reaktion auf die Lage im Nahen Osten zogen die Öl- und Goldpreise an, auf den Finanzmärkten weltweit breitete sich Unruhe aus. US-Politiker debattierten indes über die Rechtmäßigkeit des Angriffs. Einige Demokraten warfen Trump vor, ohne Zustimmung des Kongresses gehandelt zu haben.

Beobachter befürchten nun eine gefährliche Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Die rund 120 Bundeswehrsoldaten, die im Irak eingesetzt sind, verschärften ihre Sicherheitsmaßnahmen, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte. Außenminister Heiko Maas (SPD) bemüht sich mit Kontakten nach Teheran und zur US-Regierung um eine Deeskalation.

Der 62 Jahre alte Soleimani war das bekannteste Gesicht des iranischen Militärs im Ausland. Die Al-Kuds-Brigaden gehören zu den Revolutionsgarden (IRGC), einer Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte. Die USA und der Iran sind seit langem in einen schweren Konflikt verwickelt. Washington ist aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und versucht die Wirtschaft des Landes abzuwürgen. Die Amerikaner beschuldigen die Iraner zudem, Terrorismus zu fördern. dpa

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