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Amateursport Angriffe gegen Schiedsrichter nehmen zu / Mannheims Kreisvorsitzender sieht Emotionen als Grund für Attacken

Neue Gewalt auf Fußballplätzen

Archivartikel

Mannheim.Der Fußballkreis Mannheim ist Spitzenreiter im Gebiet des Badischen Fußball-Verbandes (BFV), was Spielabbrüche aufgrund von Gewalt in den vergangenen beiden Spielzeiten angeht. Das belegt eine Statistik des Verbands.

Schiedsrichter haben demnach 2018/19 vier Spiele abgebrochen, 2017/18 waren es zehn – so viele wie seit fünf Jahren in keinem anderen BFV-Kreis. Viermal wurden Spiele 2017/18 wegen „körperlicher und verbaler Gewalt auf Schiedsrichter“ abgebrochen (2018/19: ein Fall), drei Mal wegen „körperlicher und verbaler Gewalt zwischen Spielern, Trainern und Zuschauern“ (2018/19: ein Fall).

„Die allermeisten Schiedsrichter müssen in ihrer Laufbahn kein Spiel abbrechen und werden auch nicht körperlich bedroht“, teilt Harald Schäfer, Vorsitzender des Fußballkreises Mannheim, dieser Zeitung schriftlich mit. „Wenn bei über 1100 Fußballspielen pro Saison in Mannheim im Schnitt vier bis fünf Spiele abgebrochen werden müssen, ist das im Einzelfall schlimm.“ Insgesamt sei der Fußball aber „kein Tummelplatz“ für Gewalt.

Der Fußballkreis tue „eine Menge, wohl wissend, dass man nicht alles verhindern kann,“ schreibt Schäfer. Schließlich lebe Fußball „auch von seinen Emotionen, und da kann es auch vorkommen, dass es zu Gewalt gegenüber Schiedsrichtern, Gegenspielern oder gar Zuschauern kommt“. Der Fußball sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. „Es passieren Dinge überall in unserer Gesellschaft, die niemand haben will. Auch im Fußball.“

Respekt gefordert

In Mannheim hatte vor zwei Wochen ein Schiedsrichter ein B-Klasse-Spiel abgebrochen, weil er sich körperlich bedroht fühlte. In Offenbach schlugen und bespuckten Spieler während eines Kreisligaspiels am vergangenen Sonntag den Schiedsrichter, nachdem dieser einen Elfmeter gegeben hatte.

Der Kreis Mannheim habe sich jeden der hiesigen Fälle angeschaut, teilt Schäfer mit. Oft sei es zu verbalen, selten zu körperlichen Entgleisungen gekommen. Es seien Gespräche mit Vereinsvertretern und Betreuern geführt worden. Vereine hätten Fälle intern aufgearbeitet, Sportgerichte Spieler „mit langen Sperrstrafen versehen“. Platzordnerobmänner, die Mannschaften in Mannheim stellen müssen, sollen Schiedsrichter schützen.

Ivo Leonhardt, Schiedsrichterobmann im Kreis Mannheim, ruft derweil zu mehr gegenseitigem Respekt auf. Schiedsrichter müssten sich „sehr häufig in Diskussionen fragen lassen, ob wir denn überhaupt mal Fußball gespielt hätten.“ Dem könne man theoretisch entgegnen, ob ein Fußballer auch mal ein Spiel gepfiffen hätte. „Gegenseitiges Verständnis kann da nur helfen.“

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