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Mauerfall Bundespräsident Steinmeier will Fehler der Wiedervereinigung benennen

„Neuer Solidarpakt der Wertschätzung“

Berlin.30 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Mut der Menschen damals gewürdigt und mehr Anerkennung dafür eingefordert. „Wir brauchen einen neuen, einen ganz anderen Solidarpakt – einen der offenen Ohren und des offenen Austauschs, einen Solidarpakt der Wertschätzung“, sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin.

Wertschätzung bedeute für ihn zuallererst, sich Rechenschaft über die historischen Verdienste der friedlichen Revolutionäre von 1989 abzulegen. „Sie haben deutsche Demokratiegeschichte geschrieben.“

Steinmeier eröffnete im Schloss Bellevue die Gesprächsreihe mit dem Titel „Geteilte Geschichte(n)“. Er rief dazu auf, im 30. Jahr der friedlichen Revolution persönliche Geschichten der Wendezeit miteinander zu teilen. Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begonnen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre bis zum 9. November 1989.

Der Bundespräsident sagte, Wertschätzung bedeute auch, die Lebensleistung der Menschen in der DDR anzuerkennen, die den gewaltigen Umbruch nicht nur erlebt, sondern auch angenommen, geschultert und gestaltet hätten. Zur Wertschätzung gehöre ferner, die Fehler im Prozess der Wiedervereinigung nicht zu verschweigen.

Steinmeier betonte, der Kampf für Freiheit und Demokratie habe sich nicht erledigt, sondern müsse aufs Neue geführt werden. „Autoritäre Systeme erheben ihr Haupt mit neuer Selbstgewissheit, und eine neue Faszination des Autoritären ist auch in westliche Gesellschaften eingedrungen.“ Neue Mauern, die sich auch in Wahlergebnissen widerspiegeln, hätten sich in der Gesellschaft aufgetan. 

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