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Corona-Krise Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet verschärfte Lage / Im Elsass spitzt sich Situation zu / Weiterer Todesfall im Rhein-Neckar-Kreis

„Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“

Berlin/Rhein-Neckar.Im Kampf gegen das Coronavirus geht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) von weiter steigenden Belastungen für Ärzte und Pfleger aus. „Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“, sagte Spahn am Donnerstag. „Keiner kann genau sagen, was in den nächsten Wochen kommt.“ Daher sei es weiter nötig, die Ausbreitung zu verlangsamen und die Kapazitäten in den Kliniken auch mit Intensivbetten zu erhöhen.

Gleichzeitig laufen in der Regierung schon erste Planungen für die Zeit nach dem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens. Vorerst rechnen fast zwei Drittel der Deutschen jedoch mit weiteren Einschränkungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov äußerten 64 Prozent die Erwartung, dass die Maßnahmen zur Vermeidung zwischenmenschlicher Kontakte noch verschärft werden. Nur 20 Prozent glauben nicht daran. Die Akzeptanz der Maßnahmen ist der Umfrage zufolge riesig.

Hohe Test-Kapazitäten

Spahn berichtete, die Bundesregierung arbeite an Konzepten für „eine Zeit nach Corona“, in der man weiter gegen das Virus kämpfe, das öffentliche Leben aber schrittweise normalisiere. Dies solle auch bei Beratungen nach Ostern zwischen der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten Thema sein. Dabei solle auch darüber diskutiert werden, wie Handydaten im Krisenfall für die Klärung von Infektionsketten zu nutzen seien, machte Spahn deutlich.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine gesicherte Aussage gemacht werden, ob sich die Infektionsdynamik abgeschwächt hat“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. „Manche Städte und Landkreise haben es geschafft, größere Ausbruchsgeschehen auch unter Kontrolle zu bekommen.“ Spahn bekräftigte, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte. Die Kapazität liege mit 300 000 bis 500 000 Tests pro Woche auch im internationalen Vergleich sehr hoch.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warb um Verständnis dafür, dass Tests nur bei Menschen mit Krankheitssymptomen vorgenommen werden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner versicherte unterdessen, dass es keine Engpässe bei Grundnahrungsmitteln gebe.

Unterdessen verschärft sich die Situation im Elsass. Berichten von Katastrophenmedizinern zufolge arbeiten Ärzte an der Universitätsklinik Straßburg mit Corona-Patienten, auch wenn sie selbst infiziert sind. Über 80-Jährige werden nicht länger beatmet.

Stattdessen erfolge „Sterbebegleitung mit Opiaten und Schlafmitteln“, schreiben die Mitarbeiter des Deutschen Instituts fürKatastrophenmedizin in Tübingen in einem Bericht an die baden-württembergische Landesregierung. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert das französische Vorgehen nach Alter scharf.

In Deutschland sind mehr als 41 300 Infektionen mit dem Virus registriert. Mehr als 230 Erkrankte sind den Angaben zufolge bundesweit bislang gestorben. Darunter auch ein unter 50-jähriger Patient aus der Region und damit der dritte Todesfall im Rhein-Neckar-Kreis. dpa

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