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Wirtschaftsmorgen

Ohne Angst in große Fußstapfen

Die Mannheimer Handelsgruppe Engelhorn, der Weinheimer Beltz-Verlag, die Pfälzer Baumarktkette Hornbach, die Plankstadter Welde-Brauerei – die Liste ließe sich noch lange fortführen: In der Region gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie Familienunternehmen erfolgreich von Generation zu Generation weitergegeben werden können. In vielen Betrieben steigen die Söhne oder Töchter irgendwann mit in die Firma ein und übernehmen nach und nach immer mehr Verantwortung – bis sie ihre Eltern schließlich ganz an der Unternehmensspitze ablösen.

Wie beim Mannheimer Schmierstoffunternehmen Fuchs Petrolub: Dort zog sich Manfred Fuchs, der die Geschäfte selbst einst von seinem Vater Rudolf übernommen hat, im vergangenen Jahr aus dem Aufsichtsrat zurück. Seine Tochter Susanne Fuchs nahm seinen Platz in dem Gremium ein. Sohn Stefan Fuchs lenkt das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender. Bei der Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum sitzt Thomas Keilbach seit 2015 gemeinsam mit seinem Vater Jochen Keilbach in der Geschäftsführung. „Mein Vater lässt mir in meinen Bereichen freie Hand“, beschrieb Thomas Keilbach, studierter Elektrotechniker, die Zusammenarbeit vor einiger Zeit in einem Interview.

Doch nicht immer gelingt der Übergang in der Familie so reibungslos. Sei es, weil es keine Nachfahren gibt oder weil die lieber ihren eigenen Weg gehen – außerhalb des elterlichen Betriebs. So wurde gerade bekannt, dass der Fitness-Unternehmer Marcus Kuhl (62) seine beiden Mannheimer Studios Sportomed Fitness und HFC an die Schwetzinger Unternehmensgruppe Pfitzenmeier abgibt. Seine Kinder hätten kein Interesse, die Geschäfte eines Tages zu übernehmen, also habe er eine andere Lösung gesucht, begründete Kuhl den Schritt. Doch egal, ob die Nachfolge innerhalb der Familie über einen Verkauf oder zum Beispiel über einen neuen Geschäftsführer von außen geregelt wird: Wichtig ist Experten zufolge, dass sich der Firmeninhaber frühzeitig darum kümmert.

„Wir empfehlen Unternehmern, sich schon im Alter von Mitte 50 mit dem Thema Nachfolge auseinanderzusetzen“, rät beispielsweise Christian Schwöbel von der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar. Viele Unternehmer schieben das Thema allerdings lieber auf die lange Bank. So hat eine Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags im vergangenen Jahr ergeben, dass 42 Prozent der Inhaber nicht rechtzeitig auf ihren eigenen Rückzug vorbereitet sind.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Unternehmer tun sich offenbar selbst schwer, emotional loszulassen und die Verantwortung für die Firma in andere Hände zu geben. Andere bleiben im Geschäft, weil sie damit noch etwas für ihre eigene Altersvorsorge erwirtschaften. Und wieder andere finden schlichtweg keinen passenden Nachfolger.

Dieses Problem hat sich nach Angaben von Christiane Zieher, Leiterin der Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, zuletzt verschärft. „In Zeiten von Fachkräftemangel wird es immer schwieriger, junge Leute für eine Unternehmensübernahme zu begeistern“, sagt sie. Dabei ist der Bedarf groß: Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn stehen in den kommenden fünf Jahren bundesweit rund 150 000 Betriebe zur Übergabe an. In ihnen arbeiten insgesamt etwa 2,4 Millionen Beschäftigte.

Ist ein Nachfolger gefunden, gilt es schließlich, die Übergabe gut über die Bühne zu bringen. In vielen Fällen, gerade bei Familienunternehmen, arbeiten der „alte“ und der „künftige Chef“ noch eine ganze Zeit lang zusammen im Betrieb. Dann ist vor allem eine klare Aufgabenverteilung wichtig, rät Detlef Keese, Leiter des Bereichs Familienunternehmen am Institut für Mittelstandsforschung in Mannheim. Andernfalls könne es zu erheblichen Konflikten kommen, die dem Unternehmen letztlich schaden.