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Auto Konzerne bestätigen offizielle Fusionsgespräche / Spareffekte von fast vier Milliarden Euro / Land Hessen zeigt sich besorgt

Opel-Mutter PSA bandelt mit Fiat Chrysler an

Archivartikel

Paris/Rom/Wiesbaden.In der Autobranche bahnt sich eine transatlantische Mega-Fusion an. Die Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler wollen den viertgrößten Autohersteller der Welt schmieden. Beide hätten sich auf offizielle Fusionsgespräche verständigt, teilten die Konzerne in einer gemeinsamen Stellungnahme am Donnerstag mit.

Der neue Konzern könne 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr absetzen, hieß es in der Mitteilung. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund wären größer als der neue Auto-Riese. Er käme auf einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als elf Milliarden Euro ohne die Marken der Zulieferer Magneti Marelli und Faurecia. Die Konzerne versicherten weiter, dass sich mit einer Fusion Spareffekte in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erzielen ließen, ohne eine Fabrik im Zuge des Deals zu schließen.

Ein Zusammenschluss berge zwar Chancen, erklärte die Landesregierung in Hessen. „Allerdings erwarten wir vom Mutterkonzern PSA, die Marke Opel, insbesondere auch das für den Gesamtkonzern wichtige Opel-Entwicklungszentrum, zu bewahren und wie vereinbart, in den Rüsselsheimer Standort zu investieren“, betonten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Weitere Stellenstreichungen dürften kein Thema sein und Vereinbarungen wie der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Sommer 2023 keinesfalls aufgeweicht werden.

Zustimmung aus Paris

Frankreich begrüßte die Fusionspläne. Am Ende könnte ein Konzern mit rund 400 000 Mitarbeitern stehen, erklärte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Donnerstag in Paris. Die beabsichtigte Fusion sei eine Antwort „auf die Notwendigkeit für die Autobranche, sich zu konsolidieren“, sagte der Minister. Die französischen Gewerkschaften FO und CFTC betrachten laut Nachrichtenagentur AFP die Fusion eher als „Chance“, während sich die CGT beunruhigt zeigte.

In Rom sagte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte, dass es sich um eine „Marktoperation“ handele. „Ich kann das Abkommen nicht beurteilen, aber was der Regierung am Herzen liegt ist, dass das Produktions- und Beschäftigungsniveau in Italien gesichert ist“, sagte Conte. Die Bürgermeisterin der Fiat-Stadt Turin, Chiara Appendino, sagte, die Kommune verfolge die Entwicklung „mit großer Aufmerksamkeit“. Der Präsident des Industrieverbandes Confindustria, Vincenzo Boccia, sagte, ein möglicher europäischer Riese liege auf der Linie, die Confindustria unterstütze.

Anleger uneins

Bereits nach ersten Hinweisen auf eine mögliche Fusion mit Fiat-Chrysler waren neue Sorgen um die Opel-Standorte laut geworden. Der Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut an der Universität Duisburg-Essen hatte auf Überkapazitäten bei Produktion und Entwicklung hingewiesen, die mit Fiat zusätzlich in den Konzern geholt würden. Dies werde auch die Überkapazitäten bei Opel neu in den Fokus stellen, wenn die deutschen Werke künftig mit den Fiat-Fabriken konkurrieren müssten.

Die Märkte reagierten am Donnerstag uneinheitlich auf die Ankündigung der Fusion. Die FCA-Papiere an der Börse in Mailand gingen weiter um 9,6 Prozent nach oben auf ein Hoch seit Mai. Die PSA-Anleger jedoch reagierten ernüchtert: Mit einem zehnprozentigen Abschlag fielen sie sogar unter ihr Niveau vom Dienstag, also bevor die Fusion am Markt zum Thema wurde. dpa

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