Thema des Tages

Altenbetreuung Fachkräfte aus dem Ausland sollen Defizit schließen

Pflegefirmen setzen Berlin unter Druck

Berlin.Im Kampf gegen Personalnot in der Pflege fordern private Altenpflege-Anbieter eine Offensive für Weiterbildung sowie mehr ausländische Fachkräfte. In einem Pilotprojekt sollten vom Bund koordiniert in zwei Jahren bis zu 15 000 qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland gewonnen werden, schlug der Arbeitgeberverband Pflege gestern in Berlin vor. Wer binnen sechs Monaten als Fachkraft anerkannt sei und einen Arbeitsvertrag habe, müsse ein Bleiberecht in Deutschland erhalten.

Daneben sollten 15 000 bisherige Pflege-Hilfskräfte weitergebildet werden. So könnten die von der großen Koalition angestrebten 13 000 zusätzlichen Stellen in der Altenpflege zügig besetzt werden. Ein solches Programm dürfte rund 36 Millionen Euro kosten.

Insgesamt sind in der Alten- und Krankenpflege 35 000 Stellen für Fachkräfte und Helfer offen. Die Bundesregierung hat deswegen eine „Konzertierte Aktion“ für mehr Pfleger gestartet. Arbeitgeber und Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Kirchen, Krankenkassen und Betroffenenverbände sollen dabei bis Mitte nächsten Jahres Vorschläge erarbeiten, wie der Beruf attraktiver werden kann.

Höhere Kosten befürchtet

Der Arbeitgeberverband, der nach eigenen Angaben die umsatzstärksten privaten Altenpflege-Unternehmen mit 40 000 Beschäftigten vertritt, warnte zugleich vor Kostensteigerungen durch Pläne der Politik. Die Koalition will durchsetzen, dass in der Pflege mehr Tarifverträge gelten. Wenn man mehr Personal und bessere Bezahlung wolle, drohten Steigerungen der monatlich von den Betroffenen selbst zu zahlenden Kostenanteile. Pflege müsse für die Familien aber bezahlbar bleiben.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sprach sich für einen Einsatz von Pflegerobotern vor allem in der Altenpflege aus und forderte die Bundesregierung zu Modellprojekten auf. Sie könnten Pflegekräfte im Krankenhaus und Altenheim entlasten, aber nicht ersetzen, sagte er. Fürs Anheben von Patienten gebe es bereits technische Lösungen. dpa